Tiroler Tageszeitung

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Alex Gruber

30. Oktober 2026

Nach dem Cup-Rausch wartet der Alltag

Der gemeinsame Nenner beim ÖFB-Cup-Achtelfinale zwischen dem FC Wacker und der WSG Tirol war vor 16.071 Zusehern ein großes Fußballfest. Jetzt trennen sich die Wege wieder.

Wer gewinnt, behält in der Regel Recht. Wobei die WSG Tirol das Glück in der Elferlotterie gegen den FC Wacker ordentlich strapaziert hat. Das Tiroler Derby zeigte einmal mehr auf, wie ein couragierter Zweitligist einen Bundesligisten fast ins Aus befördern kann. Über 16.000 Fans bekamen über 120 Minuten vier Tore und zum Schluss 14 Elfmeter serviert. Viel kurzweiliger und auch spannender kann ein gemeinsamer Fußball-Abend kaum sein. 

Welche Erkenntnisse liefert dieses Match für die Zukunft? War es richtungsweisend oder eine bloße Momentaufnahme? Welche Antworten, aber auch welche Fragen hat dieses Spiel geliefert? Dafür ist nach all den Emotionen einmal ein kräftiges Ausatmen angesagt. Und eine neutral gehaltene Betrachtungsweise, losgelöst von den beiden Vereinsfarben, die in der Vergangenheit in Spielgemeinschaften schon erfolgreich vereint worden sind. 

Der FC Wacker hat das Fanpotenzial auf seiner Seite. Und einen US-Investor, der in einer hoffentlich langfristigen Partnerschaft den Traditionsverein zurück ins Oberhaus führen will. Das Tivoli gehört den Schwarz-Grünen, daran haben aber auch schon vor dem heroischen Cupfight keine Zweifel bestanden. Der Zweitliga-Aufsteiger machte mit seinen Tiroler Potenzialspielern (Köchl, Weinzierl, Gstrein, Lechl ...) Lust auf mehr, wird am anvisierten Weg in die erste Liga aber zweifellos nachjustieren müssen. Im Cup war der FC Wacker als Außenseiter Sieger der Herzen, den emotionalen Schub muss man jetzt in den Liga-Alltag transformieren. 

Die WSG Tirol kam mit einem blauen Auge davon. Das kolportierte Budget (7,5 Mio.) ist zwar nicht mehr viel höher als jenes beim FCW (gut 6 Mio.), den Klassenunterschied bekamen die Wattener aber nur in der Anfangsphase auf den Rasen. Mehr Respekt vor der WSG, die mit bescheidenen Mitteln die achte Bundesliga-Saison in Serie bestreitet, würde man sich dennoch auch nach diesem Match wünschen. Für eine Rückkehr in ein familiär gehaltenes Gernot-Langes-Stadion mit einem Fassungsvermögen von 5500 Zusehern ist es allerhöchste Zeit. Denn bei Heimspielen wird das Tivoli zu einer WSG-Geisterburg. 

Der gemeinsame Cup-Feiertag legte Potenzial offen. Aber wie schon der Volksmund sagt: „Jeder Rausch ist nur auf Zeit.“ Was zählt, ist der Alltag. Und weil die WSG jedes Jahr um den Klassenerhalt kämpft und der FC Wacker in dieser Saison wohl noch nicht aufsteigen wird, darf man nie darauf vergessen, wie zerbrechlich Erstliga-Fußball in Tirol bleibt. Denn Fakt ist: In anderen Bundesländern wird weit mehr in die Trägervereine und deren Infrastruktur investiert.

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