b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta17.jpgSie sind rot und weiß. Auferstanden aus Ruinen, nach dem Krieg in kleinem Rahmen entstanden. Und Kult. Vielleicht nicht die ausgeklügeltste Technik, aber Kraft ohne Ende. Bodenständige Arbeiter. Steyr halt. Kein Wunder, dass sie so viele Fans haben. Ein unverkennbarer Klang, wenn sie loslegen – ich kann Ihnen aus 300 Meter Entfernung sagen, wann mein Nachbar mit seinem 28er zum Einkaufen fährt. Natürlich red‘ ich von den Traktoren, wovon den sonst? Ach so, Fußball. Stimmt, die Vorwärts kommt aufs Tivoli.

 

Holpriger Start

Da wie dort holperts zu Beginn. Wenn sich der eine, einzelne Zylinder zuerst langsam in Bewegung setzt, kommt das ganze Stahlmonstrum ordentlich ins Schwanken. Aber langsam, mit der Zeit, ist er dann eingespielt, das Werkl geschmiert, und dann klingt die rohe Kraft fast wie Musik. Nicht anders bei der Vorwärts. Im letzten Jahr, dem ersten zurück im Profitum, lief es überschaubar gut. Ein Sieg in den ersten zehn Auftritten, ein Sieg in den letzten sechzehn Auftritten der Saison, in beiden Serien eine Niederlage gegen die jungen Wilden aus Innsbruck – der Klassenerhalt mit nur 21 Punkten und 68 erhaltenen Toren war ein Wunder. Vor allem, weil man die rote Laterne trug. Wacker sei Dank, deren Abstieg rettete Steyr die Haut. Dafür bedankten sich die emsigen Arbeiter von der Enns gleich im ersten Spiel der neuen Saison und schlugen die Schwarz-Grünen mit 2:0. Christopher Bibaku schoss sein einziges Liga-Tor und gab in diesem Spiel die Hälfte seiner Assists, Josip Martinovic hat zumindest auch nachher noch dreimal getroffen. Das Steyr-Werkl kommt in Schwung, musste sich gegen Ried in Liga und Cup zweimal nur mit einem Tor geschlagen geben und verteilte dabei drei Tore, remisierte gegen Favorit Austria in Klagenfurt und schlug die Austria aus Lustenau. Ein Favoritenschreck, der in den letzten sechs Partien nur einmal verlor. Kein Wunder, dass die Vorwärts am dritten Tabellenrang überwinterte, noch zwei Punkte vor dem FC Wacker Innsbruck.

Endlose Kraft

Hat sich ein Steyr mal in Bewegung gesetzt, läuft er. Und so richtig warm gelaufen, wird auch ein rußiger 15-PS-Diesel zum Kraftmonster, zum Arbeitstier. Am Acker und im Wald nicht anders als am grünen Rasen, mit dem sich die kleinen Schlepper ursprünglich die Farbe teilten. Wo andere schlapp machen, sind sie noch bis zum Schluss voll dabei, sind die Ballesterer Steyr durch und durch. In der gesamten ersten Hälfte schossen die Oberösterreicher sechs Tore in sechzehn Spielen, nur Kapfenberg weniger. Steyr also auf den Spuren des letzten Jahres? Keineswegs, denn hinten raus lassen sie es krachen. 19 Tore in der zweiten Halbzeit, nur zwei weniger als Innsbruck im gesamten Spiel. Und selbst wenn 90 Minuten um sind, ist ein Vorwärts-Spiel noch nicht vorbei. Mit drei Treffern in der Nachspielzeit ist man nach Klagenfurt und Ried die gefährlichste Mannschaft. Acht Spieler mit mehr als einem Torerfolg – darunter der Innsbrucker Okan Yilmaz – zeigen, man ist nicht von einem Spieler abhängig. Aber auch, dass vorne ein wahrer Knipser fehlt. Zum drittbesten Torverhältnis der Liga trug nicht nur der breit gefächerte Angriff bei, sondern vor allem die zweitbeste Defensive der Liga. Wenn man glaubt, Wacker sei mit seinen 1,56 Gegentoren pro Partie eh recht gut am Weg, der hat Steyr noch nicht gesehen. 1,12 im Schnitt, vier Spiele komplett ohne Verlusttreffer, nur einmal, gegen die Juniors des Konkurrenten LASK, drei Gegentore in einem Spiel. Das Defensivverhalten der Rot-Weißen kann sich sehen lassen.

Kräfte bündeln

Kein Wunder also, dass man auf Bewährtes zählt, nur gezielt verstärkt. Die einen durch Großfusion mit den Blauen von New Holland, dem Kraftverständnis von Case und dem Marketing von Fiat. Die anderen durch Suche nach Offensivpower, und das ebenfalls nicht nur vor der eigenen Haustüre. Michael Martic wurde von den eigenen Amateuren hochgezogen, der Völkermarkter Amar Hodzic vom WAC geholt. Und von der Sill kam Rahman Jawadi, der sich in der Innsbrucker Kampfmannschaft nicht durchsetzen konnte, auf den man in Steyr aber große Hoffnung als Sturm-Backup setzt. Die Vorwärts ist nach langen Jahren im Unterhaus zurückgekommen, um zu bleiben. Und wieder ein ernstzunehmender Gegner. Steyr ist Kult in rot-weiß.

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Stefan Weis Stefan Weis

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