Zwickt’s mi, Herr Professor!

Zwickt’s mi, Herr Professor!

9. Oktober 2026·Michael Fritz·3 Min. Lesezeit

Österreich ist ein Land der Titel. Hofrat, Kommerzialrat, Professor. Hauptsache, vor dem Namen steht etwas, das wichtiger klingt als der Mensch dahinter. Nun hat es auch Wolfgang Ambros erwischt. Der Mann, der einst A Mensch möcht i bleibn sang, ist seit Mittwoch Professor. Zwickt’s mi! Ausgerechnet der Wolfgang, der mit Da Hofa die österreichische Volksseele sezierte, darf jetzt offiziell akademisch werden. Gö da schaust!

Die Verleihung des Professorentitels an Wolfgang Ambros hat bei tivoli12 offenbar alte Kräfte geweckt: Professor Wacker, einst gefürchteter Notengeber der Schwarz-Grünen, meldet sich zurück – diesmal mit einer wissenschaftlichen Untersuchung über die Hütteldorfer Titelneurose.

Das Forschungsobjekt ist rasch gefunden. Rapid, 32-facher österreichischer Rekordmeister. Eine beachtliche Sammlung, deren erste 16 Exemplare allerdings aus einer Zeit stammen, als die österreichische Meisterschaft im Wesentlichen eine Wiener Angelegenheit war. Darunter auch zwei Gauligameisterschaften aus der NS-Zeit. Den deutschen Meistertitel von 1941 gibt es als historisches Sonderexponat noch obendrauf. Professor Wacker diagnostiziert eine ausgeprägte Titelneurose bei gleichzeitigem Verlust des Zeitgefühls. Alles andere zählt net mehr. Die Gegenwart offenbar auch nicht, schließlich liegt der letzte Titel bereits 18 Jahre zurück. Es lebe der Zentralfriedhof! Dort pflegt man schließlich ebenfalls vornehmlich die Vergangenheit.

Professor Wacker empfiehlt angesichts dieser Befunde eine Verjüngungskur. Für immer jung lautet das therapeutische Konzept, weshalb man sich in Hütteldorf eine zweite Mannschaft hält. Die Blume aus dem Gemeindebau soll dereinst wieder große Titelträume erfüllen. Bis dahin dürfen die jungen Rapidler in der zweiten Liga Erfahrungen sammeln. Manchmal sogar gegen richtige Traditionsvereine.

Am Samstag kommt Wacker Innsbruck. Langsam wochs’ ma z’amm, könnte man angesichts der Rückkehr in den Profifußball meinen. Wobei der Weg dorthin eher einer mehrjährigen Aufführung von Der Watzmann ruft glich. Mit reichlich Drama, gelegentlichem Wahnsinn und einem Publikum, das sich mehrfach fragte: Wem heut net schlecht is! Schuld war natürlich immer Da Hofa. Oder irgendein anderer.

Die jüngste Wacker-Form lässt allerdings ebenfalls Raum für eine Diagnose. Drei Spiele ohne Sieg, und schon droht die erste kollektive Sinnkrise. Glaub jo ned, dass des so weidageht! Andererseits: Elf Punkte aus sieben Spielen wären vor gar nicht allzu langer Zeit noch Anlass gewesen, spontan Schifoan zu gehen. Selbst im Oktober.

Für die jungen Rapidler verheißt die gemeinsame Vergangenheit wenig Gutes. Die letzten vier Zweitligaduelle gingen allesamt an Wacker. Nie und nimmer möchte man sich in Hütteldorf ein fünftes Mal geschlagen geben. Aber Sei ned so g’spritzt – auch eine römische Zwei hinter einem großen Vereinsnamen schützt schließlich nicht vor einer Niederlage.

Professor Wacker klappt seine Krankenakte zu. Diagnose: chronische Titelbesessenheit in Hütteldorf, leichte Größenwahnneigung in Innsbruck. Therapie: drei Punkte für Wacker, A Gulasch und a Seitl Bier und anschließend Baba und foi ned!

Sollte es tatsächlich gelingen, könnte man auf der Heimfahrt zufrieden I glaub, i geh jetzt anstimmen.

Bild: KI generiert

Artikel Info

Autor: Michael Fritz
Veröffentlicht: 9. Oktober 2026
Lesezeit: 3 Minuten

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