Mythen – Geschichten – Tradition 

Mythen – Geschichten – Tradition 

17. August 2026·Rudolf Tilg·5 Min. Lesezeit

Kapfenberg war weit mehr, als nur eine weitere Station auf Wackers Rückkehr: Mythen, Fußballgeschichte, ein legendärer Qualtinger-Sager und ein Stadion mit bewegter Vergangenheit begleiten dieses Duell seit Jahrzehnten. Dieses Mal schrieb Schwarz-Grün ein neues Kapitel dazu – mit Kampf, Leidenschaft und einem hochverdienten Sieg. Ein Stück österreichische Geschichte Kapfenberg. Ein Name, bei dem Fußballfreunde etwas […]

Ein Stück österreichische Geschichte

Kapfenberg. Ein Name, bei dem Fußballfreunde etwas älteren Semesters vermutlich nicht lange überlegen müssen, bis ihnen einer der berühmtesten Sager der österreichischen Fußballgeschichte einfällt: „Simmering gegen Kapfenberg – das nenn’ i Brutalität.“ Helmut Qualtinger machte das Duell mit seiner Kunstfigur Travnicek unsterblich. Die Stierkämpfe in Spanien? Eine matte Sache! Simmering gegen Kapfenberg – das war Brutalität. Wie bei Geschichten, die über Generationen weitererzählt werden, verschwimmen allerdings Wahrheit und Legende. Selbst beim Jahr sind sich die Quellen nicht einig. Eine Version führt zum 27. Oktober 1956 auf die Simmeringer Had, eine andere zum 12. Oktober 1958. Sicher ist: Kapfenbergs Helmut „Haube“ Hauberger kollidierte mit Simmerings Torhüter Bruno Engelmaier und erlitt einen schweren offenen Beinbruch. Qualtingers Satz überlebte sie alle. Dabei erinnerten sich Beteiligte später gar nicht an eine außergewöhnliche Treterei. Hart, ja. Brutal? Eigentlich nicht. Aber ein Qualtinger-Sager hält eben länger als so mancher Matchbericht.

Das Alpenstadion

Auch die Spielstätte erzählt Geschichte. Wer schon etwas länger zum Fußball fährt, kennt sie unter ihrem ursprünglichen Namen: Alpenstadion. Eröffnet wurde es am 10. September 1950 gegen den damaligen Meister Austria Wien. Die Hausherren hätten sich einen gemütlicheren Eröffnungsgast wünschen können: Kapfenberg verlor vor rund 10.000 Zuschauern 1:8. Von 1985 bis 1987 wurde die Anlage umfangreich modernisiert. Am 18. September 2001 verschwand schließlich der alte Name. Anlässlich seines 80. Geburtstages wurde das Stadion nach dem langjährigen Kapfenberger Bürgermeister Franz Fekete benannt, der die Stadt von 1963 bis 1987 geführt hatte.

Mehr als zwei Jahrzehnte hieß die Spielstätte Franz-Fekete-Stadion. Dann wurde Feketes Vergangenheit während des Nationalsozialismus öffentlich intensiver aufgearbeitet. Seine dokumentierte Zugehörigkeit zur SS und zu einer SS-Totenkopf-Einheit führte zur Diskussion, ob ein Stadion weiterhin seinen Namen tragen sollte. Die Stadt setzte eine Historikerkommission ein, die eine Beendigung dieser öffentlichen Würdigung empfahl. Im Dezember 2023 wurde die Rückbenennung beschlossen, mit 1. Jänner 2024 war der Name Franz-Fekete-Stadion Geschichte.

Man hätte nun einen Sponsor suchen und dem Stadion irgendeinen modernen Firmennamen verpassen können. Kapfenberg entschied sich anders und holte einen alten Bekannten zurück: Alpenstadion. So hieß es 1950, so hieß es bei Wackers ersten Fahrten nach Kapfenberg und so heißt es heute wieder. Eigentlich schön. Alpenstadion klingt nach Fußball. Nach Flutlicht. Nach einer langen Auswärtsfahrt. Und irgendwie auch ein wenig nach früher.

In Kapfenberg war’s immer schwer

Auch für den FC Wacker Innsbruck ist Kapfenberg alles andere als unbekanntes Terrain. Schon 1964/65 standen sich beide in der höchsten österreichischen Spielklasse gegenüber. Inzwischen weist die Statistik 45 Pflichtspiele aus: 19 Wacker-Siege, 16 Unentschieden und zehn Kapfenberger Erfolge (71:45 Tore). Besonders interessant wurde die Begegnung nach unserem Neubeginn. Gerade aus der Regionalliga aufgestiegen, marschierte Wacker 2003/04 durch die Red Zac Erste Liga. Dass dies keineswegs selbstverständlich war, zeigte ausgerechnet Kapfenberg: Am zweiten Spieltag kamen die Steirer aufs Tivoli und gewannen souverän mit 3:1. Kapfenbergs Goalie Kazimier Sidorczuk gelang dabei das Kunststück, sein Gegenüber Harald Planer zum 0:1 zu bezwingen und zu lehren, dass im Profifußball ein anderer Wind weht. Willkommen in der zweiten Liga. Wacker ließ sich davon bekanntlich nicht beeindrucken und schüttelte auf dem Weg nach oben Kapfenberg, Austria Lustenau und Untersiebenbrunn ab. Am Ende stand der emotionale Durchmarsch von der Regionalliga direkt in die Bundesliga.

2010 begegnete man sich wieder im Oberhaus. Wacker war erneut Aufsteiger und spielte zu Saisonbeginn einen Fußball, bei dem man sich gelegentlich verwundert die Augen rieb. Rapid wurde am Tivoli 4:0 abgefertigt, die Austria in Wien 3:0 besiegt und auch in Kapfenberg machte Schwarz-Grün keine Gefangenen: 4:2, zur Pause 3:0 aus Sicht der Wackerianer. Ganz so angenehm blieb der Gegner danach allerdings nicht. Die Obersteirer erwiesen sich immer wieder als ausgesprochen lästig. Irgendwie Kapfenberg eben. Vielleicht hatte Qualtinger doch nicht ganz unrecht. Das für lange Zeit letzte Kapitel folgte am 19. Februar 2022: Kapfenberg – Wacker 3:2. Damals konnte oder wollte niemand ahnen, welche Katastrophe nur wenige Monate später über unseren Verein hereinbrechen würde. Marmor Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe -und Treue – nicht! 

Das Wiedersehen

Am Samstag war es wieder so weit. Vier Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen und vier verdammt lange Jahre nach unserem Abschied aus dem Profifußball, gastierte der Tiroler Traditionsverein wieder in Kapfenberg. Was Wacker an diesem heißen Nachmittag zeigte, war mehr als nur ein verdienter Sieg. Die Gäste aus Innsbruck agierten vom Anpfiff weg wie das Heimteam. Wacker bestimmte das Geschehen, während sich die Hausherren fast ausschließlich aufs Umschaltspiel verlegten. Ausgerechnet damit hatten die Falken in den ersten „heißen“ 45 Minuten ihre beste Torchance im gesamten Spiel.


Nach der Pause erhöhte Wacker Tempo und Druck. Die Führung wurde immer überfälliger und schließlich belohnte sich Schwarz-Grün für einen enormen Aufwand bei tropischen Temperaturen. Die Falken wurden mit jeder Minute müder. Sie liefen dem Ball hinterher, sie liefen Wacker hinterher und irgendwann hechelten sie eigentlich nur noch beiden hinterher. 1.250 Zuschauer bedeuteten für Kapfenberger Verhältnisse beinahe schon Massenbesuch. Ein großer Teil davon erschien allerdings in Schwarz-Grün. Der gut gefüllte Auswärtssektor machte sich bemerkbar und durfte gemeinsam mit der Mannschaft einen Sieg feiern, der mehr wert war als nur drei Punkte ist.

Diese zweite Liga verlangt etwas anderes, als die vergangenen Jahre. Sie verlangt Zweikämpfe, Laufarbeit, Geduld und Mannschaften, die bereit sind, sich durch ein Spiel durchzuarbeiten und schließlich den Sieg zu erzwingen. Diese Liga verlangt Kämpfer – und Wacker kämpfte in Kapfenberg, als gäbe es diese Hitze überhaupt nicht. Genau das war vielleicht die wertvollste Erkenntnis dieses Nachmittags. Nach all den Jahren tut es verdammt gut, eine Wacker-Mannschaft zu sehen, die in dieser Liga nicht nur angekommen ist, sondern bereit ist, für jeden Meter zu arbeiten.

Simmering gegen Kapfenberg war angeblich Brutalität. Kapfenberg gegen Wacker war diesmal Arbeit, Kampf, Hitze und Leidenschaft. Am Ende stand ein mehr als verdienter schwarz-grüner Sieg!

Fotos: GEPA/Hans Oberländer

Artikel Info

Autor: Rudolf Tilg
Veröffentlicht: 17. August 2026
Kategorie: Fanleben
Lesezeit: 5 Minuten

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