Es war halt Halloween

Es war halt Halloween

2. November 2026·Rudolf Tilg·6 Min. Lesezeit

Was für eine Woche! Erst 120 Minuten Fußballrausch in einem bebenden Tivoli, drei gehaltene Elfmeter und trotzdem ausgeschieden. Drei Tage später gegen die Young Violets folgte die nächste Niederlage. Wer Wacker kennt, weiß: Zwischen Fußballhimmel und Ernüchterung liegen manchmal eben keine 72 Stunden. Oktober wie Weihnachten – mit Kater Eigentlich hatte dieser Oktober etwas von […]

Oktober wie Weihnachten – mit Kater

Eigentlich hatte dieser Oktober etwas von Weihnachten. Austria Salzburg, Rapid II, Admira, die WSG Tirol im Cup und zum Abschluss die Young Violets der Wiener Austria. Große Namen, große Spiele, volle Stadien – Fußballherz, was willst du mehr? Nun ja, tolle Feste hinterlassen manchmal einen ordentlichen Kater. Ein paar Punkte wären ganz nett gewesen. In Hütteldorf konnten wir sie noch entführen. Gegen Austria Salzburg folgte vor ausverkauftem Tivoli eine unglückliche 0:1-Niederlage. In der Südstadt dachte ich kurz, jemand hätte versehentlich die Wiederholung eingeschaltet: gut gespielt, Chancen gehabt, 0:1 verloren. Danke, kenne ich schon. So bleibt da doch ein Punktekater…

Drei Elfer gehalten – natürlich ausgeschieden

Und dann kam die WSG. 120 Minuten Fußballrausch, ein ausverkauftes Tivoli und eine Atmosphäre wie gemalt. Wacker lieferte einem gestandenen Bundesligisten einen Kampf auf Augenhöhe und zwang ihn ins Elfmeterschießen. Unser Tormann hält drei Elfmeter. Drei! Normalerweise ist die Geschichte damit erzählt und du feierst den Helden des Abends. Nicht so bei Wacker und dessen „bösen“ Geistern. Wir halten drei Elfer – und scheiden aus. Das musst du auch erst einmal schaffen. Aber wer diesen Verein lange genug begleitet, weiß: Unmöglich gibt’s bei uns nicht. In beide Richtungen.

Der große Kater blieb trotzdem aus. Gegen einen Bundesligisten, dessen geschätzter Marktwert weit mehr als doppelt so hoch ist wie jener unseres Zweitliga-Aufsteigers, darf man ausscheiden. Vor allem so. Der Kater kam drei Tage später.

Doch nicht Weihnachten – es ist Halloween

Halloween geht auf das alte keltische Fest Samhain zurück. Heute gehören Geister, Gespenster und allerlei Gruseliges dazu. Passt. Denn nach den ausverkauften Spielen gegen Austria Salzburg und die WSG wirkten 2.814 Zuschauer im Tivoli plötzlich fast schon gespenstisch. Und was Wacker in der ersten Hälfte gegen die Young Violets zeigte, sorgte dafür, dass das Halloween-Motto endgültig saß.

Es zeichnete sich ab Minute eins ab. Einen Schritt zu spät, unerklärliche Fehlpässe, falsche Entscheidungen. Die 120 Minuten vom Mittwoch steckten noch in den Beinen, vielleicht noch mehr in den Köpfen. Die jungen Wiener waren frischer, beweglicher und spielfreudiger. Dann noch dieser Elfmeter. So einer, der jeden Fan zu Verzweiflung bringt und Spieler an ihrer Fußballwelt zweifeln lassen. Florian Kopp angeschossen. Am angelegten Arm. Wo hätte er denn seine Hand nach Ansicht des Schiedsrichters hintun sollen? Gute Frage. Ein VAR hätte diesen Fehlpfiff wohl einkassiert. Den gibt es in der 2. Liga aber nicht. Hausjell verwandelte zum 0:1.

Dann kam plötzlich Fußball. Wacker spielte stark von hinten heraus, Max Köchl brachte eine Traumflanke und Adrian Lechl köpfelte zum 1:1 ein. Mehr aus dem Nichts kann ein Tor kaum fallen. Aber völlig wurscht. Nehmen wir! Ich möchte die erste Hälfte nicht als Totalausfall bezeichnen. Besonders weit davon entfernt waren wir allerdings auch nicht.

Die schwarz-grüne Pechmarie

Also gut: 1:1, durchatmen, Neustart. Und dann? 46. Minute, Fehler im Spielaufbau, 1:2. Na servus. Manchmal könnte man als Wacker-Fan glauben, irgendwo sitzt jemand mit einer schwarz-grünen Voodoo-Puppe und hat einen ausgesprochen unterhaltsamen Herbst.

Von da an lief Wacker dem Rückstand hinterher – und plötzlich war jene Mannschaft da, die wir sehen wollen. Druck, Zug nach vorn und über weite Strecken ein Spiel auf ein Tor. Lechl aus der Distanz, Kunze an die Querlatte, Wibowo knapp darüber, dazu Eckball um Eckball. Wenn es läuft, springt der Ball von der Latte ins Tor. Wenn es nicht läuft, zurück ins Feld. Schwarz-grüne Pechmarie eben.

Ein Kompliment an das Publikum, allen voran die Tivoli Nord. Die Leute merkten, dass diese Mannschaft keine Pfiffe, sondern Unterstützung braucht. Sie drückte, kämpfte und probierte alles. Nur dieses kleine runde Ding wollte wieder einmal nicht dorthin, wo es eigentlich hingehört.

Langsam wird’s ungemütlich

Dritte Niederlage in Serie, Platz zehn und nur noch sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Nennen wir das Kind beim Namen: Wacker steckt in einer Krise – Einer Ergebniskrise. Kein Weltuntergang. Die Geschäftsstelle muss noch keine Sandsäcke verteilen. Aber die Alarmanlage darf zumindest einmal piepsen.

Wir sind in den Spielen dran, haben Chancen und können Gegner unter Druck setzen. Nur irgendwann müssen aus Chancen wieder Tore und aus guten Leistungen Punkte werden. Notfalls über Spitz, Knie, Innenpfosten und den Allerwertesten des gegnerischen Tormanns. Schönheitspreis brauchen wir momentan keinen.

Und trotzdem möchte ich noch einmal zum Mittwoch zurück. Den Verantwortlichen des FC Wacker Innsbruck dürften vom vielen Schulterklopfen die Schultern wehgetan haben. Völlig zurecht. Was dieser Verein an diesem Abend präsentierte, war gewaltig. Drei Tage später folgte gegen die „Pflänzchen“ der Veilchen die pure Ernüchterung. Am Mittwoch glaubst du, du könntest Bäume ausreißen. Am Samstag stolperst du über einen Blumentopf. Wacker eben.

Was bleibt, sind die Bilder vom Mittwoch. Dieses Tivoli, diese Stimmung und diese Atmosphäre. Wacker bringt selbst nach Jahrzehnten Menschen wieder zusammen. Ewald Größ erzählte begeistert von seinem Treffen mit Werner Kriess, Roland Hattenberger, Arnold Koreimann, Werner Schwarz, Manfred Linzmaier, Alexander Knavs, Markus Anfang, Michael Streiter, Andreas Spielman und Michael Baur. Im Leipziger Hof lief der Schmäh derart, dass sich – wie Ewald so schön meint – „der Tisch vor lauter Geschichteln gebogen hat“.

Lieber Ewald, von mir ein sakrisches Danke für ein ganz besonderes Stück unserer gemeinsamen schwarz-grünen Geschichte! Du auf dem Rasen, ich auf der Tribüne. Für mich unbezahlbar.

Es war halt der Tag zum gruseln

Nach beinahe 20 Jahren Fanview sollte ich es eigentlich wissen: Wer beim FC Wacker Innsbruck emotionale Stabilität sucht, hat sich definitiv den falschen Verein ausgesucht. Aber ganz so lustig ist die Sache inzwischen nicht mehr. Drei Niederlagen in Serie lassen sich auch mit der schönsten schwarz-grünen Brille nicht in Siege verwandeln.

„Gut gespielt“, „unglücklich verloren“, „eigentlich hätten wir uns einen Punkt verdient“ – alles richtig. Nur leider führt die Tabelle keine Spalte für „eigentlich“.

Also Mund abputzen, Ärmel hochkrempeln und wieder gewinnen. Ihr habt im Cup gezeigt, was in euch steckt. Jetzt bitte dasselbe in der Liga – gerne auch einmal dreckig, unverdient und mit einem Tor, von dem keiner weiß, wie es hineingegangen ist. Darüber würde ich mich gar nicht beschweren. Weihnachten im Oktober wurde es jedenfalls nicht. Es war halt Halloween. Let’s go Wacker!

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Autor: Rudolf Tilg
Veröffentlicht: 2. November 2026
Kategorie: Fanleben
Lesezeit: 6 Minuten

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