b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta14.jpgAls die Tochter von Musical-Legende Judy Garland im Film „Cabaret“ spätere Welthits sang, war eine weitere Hollywood-Karriere geboren: jene von Liza Minelli. Einer der zeitlosen Songs aus den 70ern hieß „Money, Money“ – das Geld internationaler Investoren hält die Welt am Laufen, während die breite Masse in der Zeit der Wirtschaftskrise kaum über die Runden kommt. Wie komm‘ ich eigentlich auf ein Musical, wenn ich an das nächste Spiel von Wacker Innsbruck gegen die Klagenfurter Austria denke...?

Willkommen! Bienvenue! Welcome!

Geld ist immer willkommen. Oft so sehr, dass man sich erst nachher die Konsequenzen überlegt. Da kann man in Innsbruck ganze Messen dazu singen. Eigentlich überall, wo die Liquidität überschaubar, der Durst aber groß ist. Und man jeder Versprechung glauben schenken will. Das liebste Geld ist natürlich das, das man konsequent selbst erwirtschaftet, keine Frage. Nur, im Fußball, wer kann das schon, außer einigen Großen? Tomislav Karajica etwa ist so einer, der nicht investiert, ohne Gewinne zu erwarten. Tomislav Karajica sah sich deshalb mit seinen Partnern und Beratern am Markt um – und ließ seinen Blick auf Klagenfurt liegen. Der kleinen Stadt im Süden Österreichs. Heimat der Eishackler und Beachvolleyballer. Ein Ort, mit dem Karajica nicht viel mehr gemein hat, als dass seine Heimnationalmannschaft, die Deutsche, dort drei EM-Spiele austrug. Also gar nichts. Jetzt könnte man meinen, die Geschäftspartner des Inhabers und Gründers einer Immobilienfirma wären jetzt entsetzt über die Liebhabereien ihres Kollegen, der das hart erarbeitete Kapital in den Kärntner Seen versenkt. Könnte man, wäre diese nicht selbst bei Hansa Rostock aktiv und am Weg, den Verein zurück in die zweite Liga und dann nach oben zu hieven. Es ist also kein bloßes Hobby, das Krajica hier betreibt. Kein „I don’t care much“, wie es in Klagenfurt an andere Sportstätte betrieben wird, wenn Ehrenpräsidentin Heidi Horten den KAC mit Geldmitteln bedenkt. Er will mehr mit Klagenfurt, und er will Geld zurück aus seinem Investment, auf welchem Wege auch immer. Umso mehr wundern dann die Vorgänge rund um den als „Kaufmännischer Sportverein“ gegründeten Fußballclub.

A tiger is a tiger, not a lamb, mein Herr.

Ein Tiger ist ein Tiger. Und ein Investor kein Lämmchen. In Österreich bedeutete das bisher immer: Name, Farbe, Trikot gehört mir. „Komm und Kauf Vorwärts Steyr“ oder „SC Interwetten.com“, „Tirol-Milch-Stadion am Tivoli“ oder „Teddybären- und Plüsch-Stadion Wr. Neustadt“, fast rosa Trikots bei den Schwarz-Weißen aus Linz oder Blau-Weiß in Tirol. Nicht so am Wörthersee. Man blieb Celovec treu, auch wenn man wusste, dass das Stadion mit Bäumen bepflanzt wird. Man läuft – ohne Not, aus eigenem Antrieb – in dunkelvioletten und fast blütenweißen Trikots ein, die nicht mit den sicherlich notwendigen Geldgebern zugepflastert sind. Man verbannte den Magistrats-Lindwurm von der Brust und gab der Austria das alte Wappen zurück. Und wer es hören will, hört ungewohnte Klänge aus dem Office-Bereich. Ob perfektes Marketing und Kundenbindung oder ehrlich gemeint ist erst einmal nebensächlich, denn zu sehr faszinieren die Aussagen. „Wir definieren uns nicht über schnellen Erfolg.“, sagt der Investor im Gespräch mit der größten, weil Kleinen Zeitung des Bundeslandes. Keine Mannschaft soll zusammengekauft werden, sondern ein Team mit Nachhaltigkeit. Und wenn der Aufstieg etwas dauert, dauert er halt. Denn das Problem sei nicht im sportlichen Bereich zu suchen – der Mangel liegt woanders. Es fehlen die Flächen, wo sich Spieler, Nachwuchs, Fans und Unterstützer treffen können. Nein, kein Wackerzelt, keine Bratwurst vor und Bier nach dem Spiel. Karajica meint, der tägliche Austausch, die Gemeinschaft fehlt, man könne nicht immer zwei Wochen auf das nächste Spiel warten. Bum, das sitzt.

Tomorrow belongs to me

Die Führungsspitze bei Austria Klagenfurt, ob Investor oder neuer Präsident von Investors Gnaden, werden nicht mit sportlichen Forderungen konfrontiert. Oder mit Rücktrittsforderungen auf Grund von vorgebrachten – und abgeschmetterten – Insolvenzanträgen. Die Violetten überraschen aber auch mit einer sportlichen Dominanz, die selbst Optimisten nicht so groß vermutet hätten. In der Liga noch ungeschlagen, eine Abwehr so stark wie die Karawanken mit nur 13 Gegentreffern, fünf Spiele ohne Gegentor, in vier Spielen aber mindestens drei Tore erzielt. Noch schlimmer ist der Blick auf die Auswärtsspiele – 19 von 21 möglichen Punkten, nur drei Gegentreffer in sieben Partien. Im gesamten Jahr 2019 wurde nur ein einziges Ligamatch verloren, seit dem Umbruch im Winter ist aus dem Abstiegs- ein Aufstiegskandidat geworden, schneller als gedacht. Auffällig ist aber etwas anderes: man tut sich am Wörthersee wohl etwas leichter gegen Teams, die selbst mitspielen wollen. Ried schlug man, auch Lafnitz und den GAK, als beide steirischen Teams auf Rang drei lagen. Dafür konnte man gegen Liefering, gegen den zu diesem Zeitpunkt Vorletzten Dornbirn, gegen den Tabellen-Dreizehnten Lustenau und zuletzt gegen den Zehnten Amstetten nur remisieren. Money makes the ball go around, Geld lässt den Ball rollen. Aber nicht immer rollt der Ball ins Tor.

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Stefan Weis Stefan Weis

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