b_350_1200_16777215_00_images_201920_Haxn_sta10.jpgSelfiestick raus, Finger an die Tasten, und schon ist man mittendrin im Bestandssinn der privaten Social-Media-Kanäle: ein bissi angeben. Und wenn das eigene Leben nicht so viel hergibt, dann schmückt man sich halt mit fremden Federn, mit der Nähe zu berühmten Namen. Wenn jetzt die Kapfenberger Sportvereinigung aufs Tivoli kommt, wird das etwas schwierig.

 

Namedropping

Nach berühmten Namen, nach Stars sucht man bei den beiden Traditionsvereinen derzeit umsonst, die Mannschaftsaufstellung ist kein Namedropping. Ja, schon klar, Namen sind Schall und Rauch. Aber junge Zuschauer – und nicht nur junge – wollen sich mit Spielern identifizieren. Sie suchen gerne, bewusst oder unbewusst, Lieblingsspieler, verfolgen ihre Karriere, verfolgen auch am Feld ihre Laufwege. Und das sind meist gestandene Namen. Kurt Russ etwa, der Trainer der Oststeirer, begann seine Karriere in Langenwang und kam dann über Kapfenberg zur Vienna, ehe er in Innsbruck aufschlug. Aber nicht wirklich einschlug. Er, der seit seinem Debut in der Nationalmannschaft zu ihrer Stammformation zählte, wurde nach seinem Wechsel an die Sill quasi ausgemistet. Und auch am Tivoli sah man ihn, nachdem die blau-weiß glitzernden Kicker noch zweimal am Titel scheiterten, immer seltener im schwarz-grünen und grün-roten Trikot. Wenn also selbst ein 28facher Teamspieler kaum zum Star und Lieblingsspieler reicht, dann wird es für die aktuellen Spieler noch um einiges schwerer. Am Feld treffen sich Young Guns, eine Horde, wilder, hungriger, junger Spieler. Dass Innsbruck mit seinen 20,39 Jahren eine Buberlpartie ist, weiß man in Tirol. Wenn jetzt die Kapfenberger kommen, dann könnte man eine U21-Meisterschaft ausrufen. 20,75 ist deren Schnitt, im nominellen Sturm ein Schnitt von 19,4, in der Abwehr gar nur 18,89 Jahre. Daran, des Gesamtschnitt des FC Wacker zu unterbieten, scheitert man bei der KSV nur an den Methusalemen mit ihren 25, 26 und sogar 35 Jahren. Patrick Krenn etwa, der bisher schon eine bunte Karriere bei Kaindorf, Gralla, Tillmitsch, Gabersdorf, Mettersdorf, Deutschlandsberg und Lebring vorweisen kann und in dieser Saison zum Einser-Goalie aufgestiegen ist. Ibrahim Bingöl, der ebenfalls acht von neun Ligapartien bestritten hat und nach Auftritten bei Gösting, Sturm, Kainbach, Großklein, Austria Salzburg und Wolfsberg auch drei Stationen in der zweiten bis vierten türkischen Liga vorzuweisen hat. Der älteste, quasi der Teampapa, ist sogar wirklich ein bisschen bekannt: David Sencar. Er kickte bei Leoben und dem GAK, gab dort im Meisterjahr sein Bundesligadebut, als er für Roland Kollmann eingewechselt wurde, wechselte weiter nach Kapfenberg, Hartberg und zur Vienna. Er ist Kapitän, zentraler Spieler – aber für ein Namedropping wohl nicht genug.

Homegrown

Denn das Gros der jungen Falken stammt, wie auch bei Innsbruck, aus dem eigenen Nachwuchs. Dreizehn Spieler wechselten direkt aus dem eigenen Nachwuchs in die Kampfmannschaft, Spieler wie Krenn, Sencar, Bingöl, Kotzegger, Lang, Seidl, Scrivanek stammen aus der Region – insgesamt also 20 von 28 Kaderspielern aus den Kapfenberger Jungmannschaften und anderen steirischen Nachwuchsteams. Hier liegt derzeit auch das Problem der Steirer wie der Innsbrucker. So löblich das setzen auf den eigenen Nachwuchs ist, so notwendig es aus finanzieller Hinsicht ist – der sportliche Erfolg muss darunter leiden, wenn junge Spieler nicht in ein bestehendes Gefüge eingepasst und dort auf höheren Spielstufen ausgebildet werden, sondern wenn sie dieses Gefüge selbst und ohne Erfahrung tragen müssen. In Kapfenberg war man vor 10 Jahren zurück im Glück, nach 41 Jahren war die Rückkehr in die Bundesliga geglückt. Im Aufstiegsjahr selbst aber mussten die Böhler-Werke, also die Böhler-Uddeholm AG, die lange Zeit den Verein trug und deren Ringe sich auch im Wappen der KSV wiederfinden, als Hauptsponsor einspringen, da die Stadtwerke ausgestiegen waren. Im Jahr darauf fand sich ein Investor, mehr, eine potente Investmentgruppe, die schon andere Kleinvereine nach oben gehievt hatte: Superfund. Die hießen einmal Quadriga, falls sich jemand erinnert, und prangten damals als Sponsor auf dem Innsbrucker Trikot. Superfund verließ Kapfenberg 2011. Und seitdem sucht man in der Obersteiermark Geld an allen Ecken und Enden. Und die Suche wird durch die Konkurrenz nicht einfacher. Konkurrenz gibt es etwa im eigenen Haus, ist man ja als Sportvereinigung eng verbunden u.a. mit den Basketballern der Kapfenberg Bulls, denen der Hauptsponsor 2019 abhanden kam. Konkurrenz findet sich auch im eigenen Sport, denn in der Steiermark ist die KSV mittlerweile nur mehr am fünften Rang zu finden. Fünf Vereine im Profifußball, ein undenkbarer Zustand in Tirol. Zweimal Graz, Hartberg und zuletzt Lafnitz begrasen dieselben kargen Weiden, die TSV wäre ohne Privatmäzenin nichts, die Schwoazn ohne Puntigamer, die Roten Teufel ohne Fans. Für Kapfenberg bleiben da nur Krümel übrig.

High Noon

Und der eigene Nachwuchs. Und der wird mehr gefordert, als ihm lieb ist. Die KSV konnte noch kein Ligaspiel diese Saison gewinnen, mit nur 8 erzielten Treffern unterbietet man sogar die Offensivabteilung des FC Wacker Innsbruck. Der Unterschied zu Innsbruck ist aber die Devensive. Während die Schwarz-Grünen mit 12 Gegentoren zu den besten und sichersten Teams der Liga zählen, sind 23 steirische Gegentore der klare Liga-Minusrekord. 18,89 Jahre im Schnitt – in der Defensive zählt auch Erfahrung. Wacker Innsbruck kann am Freitag zeigen, ob diese Erfahrung in Tirol vorhanden ist.

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Stefan Weis Stefan Weis

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