b_350_1200_16777215_00_images_201819_Haxn_haxen26.jpgGanz ehrlich, man sollte nach Wacker-Spielen nicht unbedingt lange Auto fahren. Besser auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen oder sich in Embryonalstellung irgendwo in Stadionnähe verkriechen. Wenn sie selbst hinterm Steuer sitzen, nach Partien wie jener gegen die Admira, dann könnte es sein, dass ihre Emotionen ihren Fahrstil beeinflussen. Am Samstag geht es gegen Mattersburg, 531km einfach zwischen den beiden Heimarenen. Gefahr pur, nicht nur im Innsbrucker Strafraum. Noch sieben Runden...

 

Zweite Klasse

Michael Gaissmaier. Ein Name, und schon zuckt der gelernte Tiroler zusammen. Die konservativeren, weil sie einen Angriff auf althergebrachte Traditionen vermuten. Die progressiven, weil ihnen vor Augen geführt wird, dass er ihnen nur als Propagandamittel dient, wie Andreas Hofer – der, der so kämpfte wie manche Fußballpräsidentin für ihr Ziel – auf der anderen Seite. Und die Pedanten, weil sie meinen, man hätte Gaissmaier falsch geschrieben. Nein, passt schon, ich meine nicht den Sekretär des Brixener Fürstbischofs und späteren Bauernführer und Sozialrevolutionär, Gaismair. Nein, ich meine den Sänger und Gitarrist von Heinz aus Wien. Ihn und die anderen Musiker, die mir den Kopf freispielen sollten nach der Partie gegen die Südstädter. 200 Kilometer zurück in den südöstlichsten Zipfel Tirols, über zwei Pässe, durch Schneegestöber am Alpenhauptkamm, und das mit der Leistung im Kopf, die sich gerade am Tivoli vollzogen hat. Wie ein Autounfall am grünen Rasen, nicht gerade das passende Vorspiel für eine konzentrierte Fahrt. Andere Gedanken brauch es da, Musik rein, was haben wir... Alte Hadern von Heinz aus Wien schlägt das Entertainmentsystem vor, hören wir rein. Erstes Lied – nicht wirklich: „Fußballspielen“. Also das, was gerade eben nur ein Team gemacht hat. Und das waren nicht die, die ihre 54,8% Ballbesitz mit Hösche-Spielen innerhalb des eigenen Strafraums aufgepimpt haben, mit den schon seit Jugendzeiten verbotenen Querpässen vorm Tor, Zentimeter am Gegenspieler vorbei. Zumeist, aber nicht immer. Nicht nur an Heinz nagen Zweifel, deren Brotberuf ist aber Musiker. „Sag mir bin ich denn ein Mensch zweiter Klasse, nur weil ich zum Gegenspieler passe?“. Vielleicht bald. Das Online-Voting des TV-Partners gibt Innsbruck mit 42,37% als wahrscheinlichsten Kandidaten für die Rote Laterne in Runde 32 aus, nur Hartberg hält mit 40,44% mit. Mattersburg, nächster Gegner? 1,04%. Da hatten einige wohl eine persönliche Rechnung mit den Burgenländern offen, denn die spielen seit Wochen einen ganz anderen Fußball. Seit Ende Oktober haben sie in jedem einzelnen Spiel getroffen, in den sieben Spielen des heurigen Jahres nur zweimal verloren, in der virtuellen Jahrestabelle lägen sie auf Rang fünf und damit im oberen Playoff, nur drei Punkte hinter Salzburg, Lask und Rapid, einen hinter der Admira.

Kein Sinn

Die Formtabelle der letzten sieben Spiele, allesamt nach der Winterpause, gibt ein erschreckendes Bild wieder. Sieben Spiele, drei Tore, drei Punkte, dreizehn Gegentreffer, sechs Niederlagen. „Manchmal glaub ich fast mein Leben hat keinen Sinn, weil ich so ein schlechter Fußballspieler bin...“. Hartberg, einziger Konkurrent hinsichtlich Punkte, hat nur vier Niederlagen, konnte aus drei Spielen Punkte entführen, doppelt so oft scoren. Die anderen Manschaften auf diesem Niveau, FAK mit vier und SKN mit 5 Punkten, befinden sich in der anderen Tabelle und sind schon sicher. Der Drittschlechteste der Abstiegsgruppe, Altach, hat mit 11 Punkten und einem positiven Torverhältnis einen völlig anderen Flow, der alle Zweifel und Unsicherheit auslöscht. Zweifel, die in Innsbruck nicht nur auf den Tribünen zu finden sind, sondern auch am Feld. Kontinuierliche Eigenfehler von vermeintlichen Führungsspielern, die zu Toren führen. Ballverteiler, die verzweifelt ihre Hände in die Luft werfen und Pirouetten drehen, weil sie ihren Ball nicht loswerden oder sich nicht abgeben trauen. Ligadebütanten, die an der Außenlinie vorgeführt werden, getunnelt und überlaufen. Verzeihung, a Guakn kriagn und niedergrennt werdn. Die Unterschiede sind Kleinigkeiten, aber diese Kleinigkeiten entscheiden. Mattersburg etwa gibt jedes Spiel im Schnitt fast gleich viele Pässe wie Wacker (378,2 zu 370 je 90 Minuten). Erfolgreich sind bei den Burgenländern 73,2%, bei den Tirolern 70,8%. Ein kleines Zeichen, immerhin. In der eigenen Hälfte ist die Passquote bei der SVM 84,8%, beim FCW 82,2%. Alles immer sehr änhnlich, mit leichten Vorteilen für die Grün-Weißen. Wie sieht es aber bei den langen Pässen aus, bei denen, die für den Gegner gefährlich werden, die einen schnellen Gegenstoß einleiten können? Die Buben von Klaus Schmidt sind da mit 51,7% leicht im Plus, unter Daxbacher und Grumser liegt die Erfolgsquote bei 41,7%. Und der Vorteil im schnellen Raumgewinn wird auch noch mit erfolgreicherem Spiel von den Seiten komplettiert, 57 erfolgreichen Flanken in 25 Innsbrucker Spielen stehen 83 im Mattersburger Arbeitsleben entgegen. 26 Bälle mehr im Strafraum, die von der gegnerischen Defensive erst geklärt werden müssen – oder vom Burgenländer Sturm verwertet werden.

Nicht fußballspielen

„Was soll ich nur tun ich bin ja so frustriert, von meinen Freunden wurde ich nie akzeptiert.“ Ja,da kann sich schon Frustration breitmachen. Denn gerade der Ball im Strafraum und die Chancenauswertung machen den Unterschied aus. Von außerhalb der ominösen 18-Yard-Grenze trafen beide samstäglichen Konkurrenten je fünf Mal. Der Unterschied findet sich in unmittelbarer Tornähe. 28mal scorte Mattersburg, 15mal Innsbruck. Vier dieser 13 Treffer unterschied erzielten die Burgenländer mit Kopf, mit ihren 8 so erzielten Toren können sie doppelt so viele vorweisen als die Schwarz-Grünen. Sie haben dabei aber gar nicht wirklich mehr Versuche. 251mal Schüssen von Dedic&Co stehen 208 Schüssen gegenüber. Auf Tor brachten Shooting-Star Andreas Gruber, der Sky-Spieler des Monats Februar/März, allerdings 90 davon, die Tiroler 88. Es ist also nicht nur das Spiel nach vorne, es ist auch die Chancenauswertung, die Mattersbrug die Vorteile bringt. 15,9% landen im gegnerischen Netz (bei nur 8% des FCW), 68,2 Minuten pro Tor stehen 112,5 Minuten gegenüber. Wenn die Defensive Ressourcen frisst, die Offensive Chancen vergibt, dann nimmt das Spiel ein vorgegebenes Ende. Der Blick auf die Tabelle gibt es wieder. Oder Heinz aus Wien, die aus den Boxen im Auto dröhnen: „Manchmal glaub ich fast ich bin kein echter Mann, weil ich nicht fußballspielen kann.“

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Stefan Weis Stefan Weis

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