b_350_1200_16777215_00_images_201920_Fanleben_fvv7.jpgWacker ist Familiensache. Für die Familie Danler. Der Vater seit mehr als 52 Jahren Schwarz-Grüner. Seinen Sohn Michael haben wir hier ja schon kennenlernen dürfen und jetzt ist seine Schwester Barbara an der Reihe. Die junge Frau ist Volksschullehrerin in Jenbach und auch da in die Fußstapfen ihrer Eltern getreten. Vater Bertl war Direktor der Volksschule Gallzein und genießt inzwischen seinen verdienten Ruhestand, ihre Mutter ist Direktorin in der Johannes-Messner-Schule in Schwaz. So wie ihrem Bruder wurde der kleinen Babsi Wacker in die Wiege gelegt. Die junge Schwazerin lässt praktisch kein Spiel ihrer Lieblinge aus. Da muss schon ein ganz besonderes Ereignis vorkommen. Wie zum Beispiel die Hochzeit unseres Redakteurs Rudl. Da wurde das Spiel gegen den LASK von der ganzen Runde via Handy im Hochzeitssaal verfolgt und gemeinsam gejubelt. Babsi, ihr Bruder und Freunde sind fast überall dabei. Ob 40 Grad im Sommer, bei Wind, Nebel, Regen, Schnee und Minusgraden im Winter.



Barbara war zum ersten Mal am 19. März 1994 mit am Tivoli und durfte gleich einen 2:1 Sieg gegen Sturm Graz bejubeln. Thomas Janeschitz und Vaclav Danek drehten damals einen 0:1 Rückstand gegen die Blackys vor nur 2500 Zuseher. Barbara hat über ihre legendären Reisen ein Buch geschrieben und aus diesem „Meisterwerk“ dürfen wir euch zwei Episoden präsentieren. Wir wären ja dafür, dass aus den sechs vorhandenen Exemplaren weit mehr werden würden. Ein tolles Werk aber lest selber daraus:

 

b_350_1200_16777215_00_images_201920_Fanleben_fvv7_1.jpgBW Linz im Nebel

Es gibt wohl schönere Reisen als an einem nebligen Novembertag in die Stahlstadt. Doch was ist (für einen Fan) noch schlimmer als an solch einem Tag nach Linz zu fahren? An einem solchen Tag nicht nach Linz fahren zu können.
Und so war ich nicht gerade begeistert, als ich erfuhr, dass ich ausgerechnet an dem Nachmittag eine verpflichtende Fortbildung zu besuchen hatte, an dem ich eigentlich mit meinem Bruder Michael und Benni M. nach Linz fahren wollte. Als das Spiel dann schließlich auf 20.30 Uhr fixiert wurde, begann ich Hoffnung zu schöpfen. Und tatsächlich fand ich einen Zug, der mich nach der Fortbildung noch von Jenbach nach Linz bringen würde (Ankunft um 20.10 Uhr). Und so saß ich dann in diesem besagten Zug, kam jedoch aufgrund einer Baustelle erst um 20.31 Uhr in Linz an. Ich eilte zum Taxistand und noch während ich im Taxi saß, piepste mein Handy, denn Michael hatte mir eine WhatsApp-Nachricht geschickt. Schnell schaute ich nach – hoffnungsvoll und beunruhigt zugleich: „1:0 fcw – mia segn nix!“ Ich war zwar nicht live dabei, aber da hatte so manch anderes Auswärtsspiel schon schlechter begonnen. Kurz darauf war ich dann schon am Eingang des Gästesektors, musste aber feststellen, dass die Tore zum dazugehörigen Parkplatz schon geschlossen waren. Die ebenso dazugehörigen Polizisten hatten sich schon in ihre Autos zurückgezogen. Nach kurzem Zögern wiesen sie mir den Weg zu einem anderen Eingang bzw. organisierten einen Ordner, der mir dort Einlass gewährte. Die Kasse hatte man wohl schon abgeschlossen, jedenfalls ließ man mich gratis hinein. Nach einem längeren Marsch vom Einlass bis zum eigentlichen Gästesektor im Stadion kam ich dann mit mittlerweile ca. 20- bis 30-minütiger Verspätung an und sah – wie von Michael bereits angekündigt – NICHTS. Nein, das stimmt so nicht ganz. Ich sah das Netz vor dem Sektor, einen roten Punkt, den ich als Wacker-Torhüter Christopher Knett identifizierte, und ganz viel Nebel. Das 0:1 – so wurde mir erzählt – hatten die anwesenden Wackerfans nur dadurch mitbekommen, dass Christopher Knett in der 4. Minute plötzlich die Hände jubelnd in die Höhe riss und etwas verwirrt die Fans mittels Gesten aufforderte, jetzt doch endlich auch zu jubeln. Beim 0:2, das kurz vor der Pause fiel, ging es uns so ähnlich. Die jubelnden Wacker-Spieler (blöderweise auch noch in Weiß) konnten wir nur erahnen, ein jubelnder Knetti sowie die Durchsage des Stadionsprechers bestätigten uns in unserer Annahme, jetzt könnte doch ein Tor für unsere Mannschaft gefallen sein. Nach der Pause erzielten die Linzer den Anschlusstreffer und so wurde es (wie so oft) noch zu einer Zitterpartie – mit einem bedeutenden Unterschied: Wir sahen nicht, ob bzw. wie gefährlich es für uns wurde, denn die kritischen Szenen spielten sich vor dem Tor ab, das wir ja nicht sehen konnten.
Mein persönliches Highlight kam dann in der Schlussphase. Elfmeter für BW Linz (Stopp, das ist natürlich noch nicht das eigentliche Highlight.). Als der Linzer Spieler anläuft, lichtet sich plötzlich der Nebel und ich sehe den rot gekleideten Wacker-Torhüter ins Kreuzeck fliegen und den Ball halten.
Es blieb beim 1:2 und wir fuhren glücklich durch den Nebel nach Hause. Ein unvergesslicher Abend!
24. November 2017 BW Linz – FCW

fvv7_2.jpgZurück in der Bundesliga

27. Juli 2018, 20.30 Uhr: Das Spiel Austria Wien gegen Wacker Innsbruck (gleichbedeutend mit der Rückkehr des FCW in die Bundeliga) wird angepfiffen. Meine wackeren Mitstreiter und ich befinden uns zu diesem Zeitpunkt nicht – wie eigentlich anzunehmen – im Gästesektor der neu eröffneten Generali-Arena, sondern noch im Fanbus der „I Furiosi“, der in Begleitung einer Polizei-Eskorte durch das südliche Wien rast. Wir sind aber bereits nahe genug am Stadion, dass wir die Tormusik, die bei einem Tor für die Austria erklingen würde, hören könnten. Da wir nichts hören, sind wir halbwegs beruhigt. Als der Fanbus dann endlich das Stadiongelände erreicht, eilt zuerst die ganze „Horde“ im Laufschritt über einen an der Südosttangente gelegenen Spazierweg, der zum Gästesektor führt, und muss noch die Eingangskontrolle über sich ergehen lassen, was bei den (wenigen) Damen natürlich um einiges schneller geht als bei den (vielen) Herren. Und so kommt es, dass in der 19. Minute Julia W. und ich bereits auf der Tribüne sind, während sich viele der männlichen Mitreisenden noch im Eingangsbereich aufhalten. Eine Flanke von Stefan Rakowitz wehrt ein Austrianer ab, allerdings direkt vor die Füße von Zlatko Dedic. Als er knapp vor dem Tor den Ball hat, denke ich noch rücksichtsvoll an die noch nicht anwesenden Fans, gleichzeitig aber auch, dass er ihn trotzdem „reinhauen“ soll, was er auch tut. Riesiger Jubel im Gästesektor (Wir sind jetzt wirklich zurück in der Bundesliga!), aber die wirklich unfassbaren Szenen spielen sich unter der Tribüne ab. Die Leute dort glauben zuerst an ein Tor der Austria, weil sich der Jubel im Stadion so laut anhört. Als dann aber kein Torlied zu hören ist und ein Wacker-Fan ihnen die „frohe Kunde“ überbringt („Für uns!“), gibt es kein Halten mehr. Wie bei der spanischen Stierhatz die Bullen durch die engen Gassen getrieben werden, so versuchen die Wackerfans auf schnellstem Wege durch die ihnen unbekannten Katakomben ins Stadioninnere zu gelangen (Freundliche Ordner weisen ihnen dankenswerterweise den Weg), um dort den Führungstreffer lautstark zu feiern bzw. sich zu vergewissern, dass dieser auch tatsächlich gefallen ist.
Das Spiel endet schließlich mit einer 2:1-Niederlage und einem Dominik Baumgartner im Wacker-Tor, da Christopher Knett verletzt ausscheidet und das Austauschkontingent bereits erschöpft ist, aber die beschriebenen Szenen werden dem ein oder anderen noch lange in Erinnerung bleiben.
27. Juli 2018 Austria Wien – FCW

© Barbara Danler

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