Beste Saisonleistung unbelohntEs hätte alles so schön sein können. Mit fast 6400 Zusehern war der Tivoli am Samstagnachmittag recht gut besucht. Trotz des Fehlens zweier absoluter Schlüsselspieler übernahm der FCW gegen den Grazer Spitzenklub sofort das Kommando auf dem Rasen. Auf der Nordtribüne wurde eine tolle Choreographie gezeigt. Die Stimmung im Stadion war danach hervorragend und die Schwarz-Grünen spielten eher wie ein Titelkandidat, als um den Abstieg. Und für diese - ihre beste Saisonleistung - wurden die Mannen von Trainer Roli Kirchler regelrecht betrogen.

Unverständliche Pfiffe

Von vier Abseitspfiffen in der ersten Halbzeit waren zwei falsch. Das Schiedrichtertrio schien bei Aktionen des FC Wackers einen regelrechten Reflex gehabt zu haben. Zweite Halbzeit wurde der FCW noch besser und mit ihnen auch der Schiedsrichter. Dieser übersah allerdings eine elferverdächtige Situation. Nach einem (zu Recht) aberkannten Treffer und der unverdienten Führung in der Nachspielzeit von Sturm Graz warfen die Innsbrucker alles nach vorn und so kam es, dass Wuschi Wernitznig bei einem Angriff von einem Grazer Spieler regelrecht aus dem Strafraum geschupst wurde. Die Pfeife blieb abermals stumm. Betrogen von den schwachen Schiedsrichtern und betrogen von den eigenen Fans. Einige auf der Osttribüne konnten sich gar nicht mehr beruhigen und schmissen Becher auf das Spielfeld. Der Schiedsrichter sah trotz mehrmaliger Durchsagen keine Möglichkeit, das Spiel in der 98. Minute regulär abzupfeifen.

Wie konnte das passieren?

Nicht nur auf der Nordtribüne ging es bei diesem Spiel heiß her. (Dabei ist nicht die phantastische Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit gemeint). Schon beim vermeintlichen Führungstreffer, der aberkannt wurde, flog ein Becher von der Ostseite aufs Spielfeld. Der FC Wacker Innsbruck zeigte sicherlich die mit Abstand beste Saisonleistung. Aber wieder durch Eigenfehler liefen die Innsbrucker mehrmals in Gefahr in Rückstand zu geraten. Teufelskerl „Safi“ Safar war es zu verdanken, dass die Null vorerst stehen blieb. Vorne vergab man reihenweise die besten Torchancen. Einmal rettete die Steier gerade noch die Torstange. Aber das war nicht das Einzige, was die Schwarz-Grünen an diesem Samstagnachmittag auszeichnete. Kein Ball wurde verloren gegeben, fast alle Zweikämpfe gewonnen und die ballführenden Gegenspieler sofort attackiert. Und dennoch machte Wacker durch einen Abspielfehler den einen Fehler zu viel; noch dazu, weil danach ein Grazer am Strafraum sträflich übersehen wurde. Einen unverdienteren Sieger habe ich noch selten gesehen. Aber wie konnte man auf den Sitzplätzen derart ausrasten? Jene, die normalerweise über die Stehplatzbesucher schimpfen, wenn mal ein Becher fliegt. Fußball ist Emotion – die Würfe sind aber mit nichts zu rechtfertigen.

Von Emotionen lebt der Fußball

Da liefert der FCW eine solche Partie ab. Normalerweise gewinnt man so ein Spiel 6:2. Die Stimmung auf den Rängen ist phantastisch und es gab auch wieder die Wechselgesänge zwischen Nord- und Osttribüne. Gänsehautfeeling pur!
Das Publikum verfügt über keine Zeitlupen. Die Schiedsrichter auch nicht und so kochen die Emotionen oft über. Die zwei falschen Abseitspfiffe in der ersten Halbzeit haben wahrscheinlich die Innsbrucker Führung vereitelt. Das vermeintliche Führungstor war für viele im Stadion korrekt und nach der Führung der Schwarz-Weißen und den nicht gegebenen Elfer für Innsbruck schaukelte sich die Situation derart hoch, dass dies zum Eklat führte.
Auch mehrmalige Lautsprecherdurchsagen konnten die Fans auf der Osttribüne nicht beruhigen. Noch dazu glaubten viele, das Spiel wäre schon aus und waren auf dem Weg nach unten und blieben am Geländer neben dem Spielfeld stehen. So entwickelte sich eine bedrohliche Situation für den Assistenten und Bruder des Schiedsrichters. Aber dieser wurde nicht annähernd von einem Gegenstand getroffen und Eisenstangen gab es schon gar keine! Das ist genauso eine Mär, als würden wir mit Panzer nach Hütteldorf reisen.

Auch von Fehlentscheidungen lebt der Fußball

Und dass es keine anderen Möglichkeiten mehr gab, als das Spiel abzubrechen, gehört in die Kategorie Grimms Märchen für Schiedsrichter. Erstens hätte er an- und wieder abpfeifen oder die Lage beruhigen können. In Düsseldorf waren 4000 Leute am Feld und der Schiedsrichter hatte es geschafft, die letzten zwei Minuten nach längerer Unterbrechung zu Ende zu bringen. Das ist Betrug am Verein, an den Spielern und an den Fans. Aber das alles interessiert die Herren in Schwarz (oder Blau) nicht im Geringsten. Ironie am Rande: Manuel Schüttengruber wurde in Oberösterreich zweimal zum beliebtesten Schiedsrichter der RLO und Oberösterreichliga gewählt. In Tirol wird er es sicher nicht. Da erhält er eher Einreiseverbot. Aber ein wenig haben sich unsere Spieler auch selbst betrogen. Wer solche Chancen nicht verwertet und in der Nachspielzeit zwei Fehler auf einmal macht, den bestraft das Leben. Fehlentscheidungen gehören zum Fußball dazu. Davon lebt der Sport und sind auch so etwas wie die Würze im Spiel. Nur müssen sie nicht so oft uns betreffen.

Strahlende Gesichter

Zum Schluss etwas Erfreuliches: Auf Einladung der Donau-Versicherung durften Menschen mit besonderen Bedürfnissen aus der Lebenshilfe Tirol dem Spiel beiwohnen. Viele von ihnen waren nicht zum ersten Mal am Tivoli, sondern sind echte Wackerfans. Es gab strahlende Gesichter als etwa eine Stunde vor Spielbeginn Oliver Prudlo mit vier Spielern im Schlepptau beim Wackerzelt erschien. Darunter auch Roman Wallner, der wie die anderen fleißig Autogramme schrieb. Das ein oder andere Erinnerungsfoto durfte dabei nicht fehlen. Die etwa fünfzig treuen Fans erhielten Geschenke und durften nach dem Spiel an einer Stadionführung teilnehmen. Ob sie dabei noch so glücklich drein geschaut haben wie vorher, entzieht sich meiner Kenntnis. Für heute habe ich fertig und schließe mit den Worten eines früheren Wacker-Präsis: „Der Wacker geht nicht unter – es scheint nur so“.

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Rudolf Tilg Rudolf Tilg

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