Nikolaus Paumgartten
Der 15-jährige Südtiroler Ivan wartet auf ein Spenderherz. Gestern durfte er nach zwei Monaten Klinikalltag erstmals einen richtig großen Ausflug unternehmen und dabei über einen Sieg des FC Wacker jubeln.
Innsbruck – Vor der Lifttüre im VIP-Bereich des Innsbrucker Tivolistadions hat sich eine Menschentraube gebildet, die bis über die Treppen hinunter reicht. „Da wird schon jemand Prominenter aus dem Fahrstuhl kommen“, murmelt eine Dame halblaut vor sich hin und reckt neugierig ihren Hals. Schließlich geht die Lifttüre auf, die Fotoapparate klicken und blitzen und der Ehrengast des heutigen Wacker-Spiels verlässt den Aufzug. Langsam bahnt sich das Menschenknäuel seinen Weg zur VIP-Box des Tiroler Fußballverbandes, die heute Ivan, seinen Eltern und seinen Betreuern gehört.
Ivan ist ein 15-jähriger Bursche aus Südtirol, der seit zwei Monaten auf der Intensivstation der Innsbrucker Kinderklinik liegt und auf ein Spenderherz wartet. Eine Herzmuskelentzündung hat sein Herz so schwer geschädigt, dass er an eine mechanische Kreislaufmaschine angeschlossen werden musste. Seit 34 Tagen übernimmt sie die Aufgabe, die sein Herz nicht mehr erfüllen kann. Am Sonntag, um kurz nach 15 Uhr, hatte ein Team der Malteser Ivan in der Klinik abgeholt und mit Blaulicht und Sirene ins Stadion gebracht. Es ist der erste große Ausflug nach zwei Monaten Klinikalltag und soll ein unvergessliches Erlebnis werden. Vor der VIP-Box begrüßt Wacker-Vorstandsmitglied Martin Weberberger den jungen Gast und begleitet ihn auf seinen Platz.
Den Rollstuhl darf Ivan nicht verlassen, die Maschine, ein blauweißer Kasten von fast 100 Kilo, erfüllt ihre Aufgabe am besten, wenn der 15-jährige Bozner liegt oder in halbaufrechter Lage sitzt. 30 Minuten vor Spielbeginn – Wacker Innsbruck gegen Sturm Graz – sind also die Plätze bezogen, Ivan bestellt eine Cola und schaut erwartungsvoll auf das Grün hinunter. Doch bevor es losgeht, heißt es für Ivan noch ein paar Hände schütteln. Und es sind immerhin die der Wackerlegenden Kurt Jara und Stani Tschertschessow. Die beiden lassen es sich nicht nehmen, den Ehrengast des Tages persönlich zu begrüßen und ihm alles Gute zu wünschen.
Endlich – der Anpfiff, und Ivan kann sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren. Immer in Sicht- und Rufweite ist der behandelnde Arzt, Ulrich Schweigmann. Er hat stets ein wachsames Auge darauf, wie es seinem Patienten geht. „Das hier ist ein absolutes Highlight, darauf hat er hart hingearbeitet“, freut sich der Doktor mit Ivan. Das bevorstehende Spiel habe ihn zusätzlich motiviert, an sich zu arbeiten. Denn natürlich stelle so ein Ausflug eine Belastung für den Körper dar, auf die er vorbereitet werden muss. Weil eine gute körperliche Verfassung aber auch für eine bevorstehende Herztransplantation wichtig ist, hat Ivan mit seinem Training gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
„Eine tolle Atmosphäre“, strahlt der 15-Jährige in der Halbzeitpause zufrieden. Was zum absoluten Glück allerdings noch fehlt, sind die Wacker-Tore. „Die Chancen wären ja da gewesen“, meint Ivan, der selbst beim Bozner FC auf der Position des Linksaußen spielt und damit weiß, wovon er spricht. Sein Tipp für die zweite Halbzeit: „Auf jeden Fall ein Sieg. 2:0 oder vielleicht sogar höher“, schmunzelt er.
Beim FC Wacker ist man bemüht, dem Gast den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Weil es in der Box warm geworden ist, wurden extra zwei Ventilatoren herbeigeholt und aufgestellt. Auf dem Schoß von Ivan liegen ein von den Spielern signierter grünschwarzer (sic!) Ball und ein signiertes Wacker-Dress. „Der FC Wacker ist mehr als nur ein Fußballclub, wir haben auch eine soziale Verantwortung und Wacker ist auch für seine Fans da, wenn es ihnen schlecht geht“, erklärt Wacker-Vorstandsmitglied Weberberger. Dieses Engagement weiß auch Ivans Vater Alexander zu schätzen: „Ich sehe, wie er sich freut und wie es ihm dabei gut geht, und das freut uns natürlich auch.“
Zwischendurch stärkt sich Ivan mit einer Weißwurst und zwei Laugenknöpfen. Gerade rechtzeitig. Denn in der 61. Minute ist es endlich so weit und der Fußballfan kann jubeln: 1:0 für Wacker. Entsprechend zufrieden fällt dann auch sein Resümee aus. „Verdient gewonnen“, analysiert Ivan glücklich und zufrieden, ehe es wieder zurück in die Klinik geht.
