F. Madl / W. Müller
Heute in der Früh fällt im Wacker-Vorstandszirkel eine Entscheidung über die Zukunft von Trainer Walter Kogler. Wird der Kärntner beurlaubt, stehen Verhandlungen mit seinem Nachfolger auf dem Programm.
Innsbruck – So viel ist sicher: Wenn sich der Wacker-Vorstand heute um acht Uhr morgens versammelt, wird eine Entscheidung in der Trainerfrage fallen. Vieles deutet darauf hin, dass der nach zehn Niederlagen in elf Spielen schwer angezählte Walter Kogler den Cheftrainersessel räumen wird müssen.
Wacker-Obmann Kaspar Plattner hielt sich diesbezüglich bedeckt und wollte der Sitzung nicht vorgreifen. Allerdings wurde bereits gestern Abend ein Gespräch mit Kogler gesucht, um mit dem Kärntner das weitere Vorgehen (und einen möglichen Abschied) zu erörtern.
Der gestrige Trainingstag fiel noch unter das Kapitel „business as usual“. Alles wie gehabt, Trainingsalltag. Roman Wallner lief sich einen beim Admira-Gastspiel eingefangenen Schlag aus dem Oberschenkel, Alex Hauser humpelte nach einem Zusammenstoß mit Markus Egger in die Kabine und Kogler leitete mit seinem Betreuerstab die beiden Einheiten.
Als Kandidat für dessen Nachfolge wird dem Vernehmen nach Michael Streiter favorisiert. „Mir soll jeder Trainer recht sein. Die Hauptsache: eine Tiroler Lösung, die den Tiroler Weg geht und sich an die Philosophie des FC Wacker hält, die im Markengrundbuch definiert ist“, erklärte Vorstandsmitglied Martin Weberberger. Am Montagabend wurde der erste Kontakt mit dem Exil-Tiroler in Diensten von Erstligist Horn aufgenommen: Es ging um den Vertragsrahmen des 46-Jährigen beim niederösterreichischen Zweitligisten.
„Es gab einen Kontakt, aber über Grundsätzliches wurde nicht geredet. In erster Linie muss einmal mit meinem Präsidenten beim SV Horn gesprochen werden, bevor man mit mir Vertragsdetails abspricht“, erklärte Michael Streiter gestern in Niederösterreich. Sieht auch Wacker-Vorstand Hannes Bodner so: „Wir werden heute eine Entscheidung fällen und, wenn die dann gefallen ist, in konkrete Verhandlungen treten.“
Die Vorzüge der FC-Tirol-Legende Streiter, die unter Ernst Happel den Sprung zum (Tiroler Rekord-)Bundesliga-spieler schaffte (483 Einsätze, 3-mal Meister), sind schnell aufgezählt: einer, der mit Jungen zu arbeiten versteht; der mit den hiesigen Gegebenheiten vertraut ist (Budgetknappheit); und einer, den seine Vita als Erfolgsmensch ausweist (Aufstieg in die Erste Liga mit der SPG Wattens/Wacker/2003, zuletzt mit dem SV Horn/2012 in der Regionalliga Ost, Aufstieg in die Bundesliga mit Altach/2006).
„In Tirol will er noch etwas nachholen“, spielt Vorstandsmitglied Weberberger auf die Trennung im Jahr 2003 nach Streiters Bundesliga-Aufstieg an. Damals wurde der Vertrag nicht verlängert und Helmut Kraft als neuer Trainer vorgestellt. Als Alternative zu Streiter fiel zuletzt mehrmals der Name Roland Kirchler von Westligist Wattens. Ex-ÖFB-Teamchef Didi Constantini zeigt kein Interesse. „Im Moment brenn‘ ich nicht so richtig auf den Trainerjob. Daher sag‘ ich lieber gleich ab.“
Von einem Verbleib des bisherigen Trainers Walter Kogler gehen Insider nicht aus, Vorstandsmitglied Hannes Bodner scheint jedenfalls keinen weiteren Treueschwur wie bereits vor sechs Wochen aussprechen zu wollen: „Ich hatte schon damals meine Meinung dazu. Aber ich werde auch weiterhin im Rahmen eines demokratischen Prozesses alles mittragen, was wir im Vorstand beschließen.“ Bekanntlich fiel damals das Bekenntnis zu Kogler mit 3:2 denkbar knapp aus, bei Stimmengleichheit gab Obmann Kaspar Plattners Votum den Ausschlag für einen Verbleib Koglers. Fünf Niederlagen später, pünktlich zur Länderspielpause, bröckelte die Unterstützungserklärung jedoch wieder.
F. Madl / W. Müller
Die Wacker-Ära von Trainer Walter Kogler soll zu Ende gehen, vor der Tür steht ein alter Bekannter: Mit dem Volderer Michael Streiter will man den drohenden Abstieg verhindern.
Innsbruck – In die Karten ließ sich gestern keines der Wacker-Vorstandsmitglieder blicken, nicht einmal eine Tendenz war nach der 1:4-Niederlage gegen die Admira auszumachen: Die Trainerfrage blieb beim FC Wacker Innsbruck trotz zuletzt inferiorer Leistungen unbeantwortet. Nur so viel ließ sich Obmann Kasper Plattner bei einem Telefonat entlocken: „Wir werden mit unserer Entscheidung, ob wir personell umbesetzen, sicher nicht bis zur Vorstandssitzung am 15. Oktober warten.“ Auch der Druck von Sponsorenseite stieg in der Jubiläumssaison (100 Jahre) an, was Koglers Perspektive nicht verbessert. Mitte der Woche will man eine Lösung parat haben, die in der Länderspielpause für die nötige Ruhe sorgt. Und die könnte eine Heimkehr darstellen:
Dem Vernehmen nach steht der Volderer Michael Streiter, derzeit mit dem niederösterreichischen Aufsteiger Horn auf Platz vier der Ersten Liga, vor der Tür. Ein alter Bekannter, mit dem es sich der Verein bereits einmal verscherzt hatte. Nach dem Aufstieg der neu gegründeten Spielgemeinschaft Wattens/Wacker in die zweite Fußball-Bundesliga (2002/03) verlängerte man den Vertrag mit dem Libero-Urgestein nicht, noch während der Meisterfeier machte das Gerücht die Runde. Und auch 2007 durfte sich der 46-Jährige Hoffnungen machen, ehe Lars Söndergaard beim FC Wacker zum Zug kam. Und 2012? Ein Comeback nach zehn Jahren? Die Frage, inwieweit eine finanzielle Möglichkeit besteht, soll erörtert werden. Was für das Engagement Streiters sprechen würde: Den eingeforderten Tiroler Weg soll ein Tiroler beschreiten. „Ich will und kann das nicht kommentieren, weil Walter Kogler noch Trainer ist und mich noch niemand kontaktiert hat“, vermeldete Streiter gestern am späten Nachmittag aus Niederösterreich. Der 34-fache ehemalige ÖFB-Teamspieler macht aber gleichzeitig kein Hehl daraus, „dass der FC Wacker immer mein Herzensklub war und ist“, er trotz allem Potenzial sieht, aber die Zeit gestern eben noch nicht reif war, mehr dazu zu sagen. Mit Arbeitgeber SV Horn müsste ein Einverständnis durchaus möglich sein.
Sollte Michael Streiter aus welchen Gründen auch immer nicht zum Zug kommen, gilt dessen ehemaliger FC-Tirol-Kollege Roland Kirchler als potenzieller Kogler-Nachfolger: „Ob ich ein Kandidat bin, muss man andere fragen. Mich hat noch niemand kontaktiert. Was soll ich daher auch viel kommentieren? Außerdem muss auch bedacht werden, dass ich, aber auch ein Michi Streiter nicht arbeitslos sind, sondern bei Vereinen unter Vertrag stehen.“
Zuletzt wurden auch andere Namen kolportiert: Neben Ex-ÖFB-Teamchef Didi Constantini, der als „Feuerwehrmann“ schon so manchen sportlichen Flächenbrand löschte, fiel immer wieder der Name von Tirols ehemaligem Meistermacher Kurt Jara, der aber schon vor Wochen ausrichten ließ, dass er eigentlich kein Interesse hat. Als kurzfristige Interimslösung würde sich auch eine interne Nachbesetzung mit Wacker-Individualtrainer Stefan Rapp anbieten.
In den Fanforen tendiert die Mehrheit der Poster jedenfalls zu einer Ablöse Koglers, selbst für den bis Juni 2013 laufenden Vertrag will einer eine Lösung gefunden haben: „Dann legen wir einfach das Geld zusammen.“
F. Madl / W. Müller
Obmann Kasper Plattner platzte der Kragen, um den Burgfrieden beim FC Wacker ist es nach der Admira-Pleite (1:4) geschehen. Die sportliche Abteilung sieht sich in der Länderspielpause mit allerhand Vorwürfen konfrontiert.
Innsbruck – Nicht viele würden wohl darauf wetten, dass die sportliche Wacker-Führung im nächsten Bundesliga-Spiel (20. Oktober) noch dasselbe Aussehen hat. Wohl ebenso wenig, wie auf einen Sieg gegen Ried setzen würden. Der Verein hat in den vergangenen Wochen zu viel Kredit verspielt, zu oft wurde beschwichtigt und eine Liste an Problemen unter den Teppich gekehrt. In einem Fernsehinterview war Kasper Plattner vor dem leidigen Admira-Spiel der Kragen geplatzt, der Sportdirektor wurde als Mitschuldiger an der Misere ausgemacht. Als Obmann darf er sich das Recht herausnehmen, über die Form lässt sich streiten. Wie reagierte der Natterer am Tag danach? „Ich bleibe dabei: Wir haben mit Prudlo einen Sportdirektor, der für das Sportliche verantwortlich ist. Man kann nicht immer nur dem Walter (Trainer Kogler, Anm.) einen Vorwurf machen.“ „Keiner unserer Transfers hat eingeschlagen. Roman Wallner nehme ich aus – der ging nicht unbedingt auf Prudlos Kappe.“
„Jetzt ist es nicht mehr lustig, ich bin auf 100.“ „Dass wir den Treueschwur, die Ruhe bis zur Winterpause, zu früh aussprechen würden, hätte ich nicht geglaubt. Mittlerweile werde ich schon von den Hauptsponsoren darauf angesprochen, ob jetzt was passiert.“ „Was bei der Vorstandssitzung am 15. Oktober passiert, weiß ich nicht. Ich kann nichts ausschließen.“
Die Wut des 72-Jährigen ist nachzuvollziehen, bis zuletzt hatte Kasper Plattner seiner sportlichen Führung die Stange gehalten. Doch manche Vorgehensweise der vergangenen Wochen und Monate erwies sich als hinterfragenswert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Sportdirektor seine Entscheidungen nicht in enger Absprache mit dem Trainer getroffen hat“, meint Vorstandsmitglied Hannes Bodner vielsagend. Fragen muss sich das Duo Kogler/Prudlo also durchaus gefallen lassen:
1 Handelt es sich bei Stürmer Marcelo Fernandes (21) lediglich um ein gut gemeintes brasilianisches Austauschprojekt – oder kann man ihm eines Tages vielleicht doch noch so etwa wie Bundesligareife attestieren?
2 Findet sich in Tirol wirklich kein Kicker von Format, dass man laufend in anderen Bundesländern nach Perspektivenspielern Ausschau halten muss?
3 Wie lange muss der Vorstand noch zuwarten, bis ihm ein bereits lange versprochenes Nachwuchs-/Zukunftskonzept ausgehändigt wird?
4 Wie lange darf man die Argumentation für Niederlagen noch auf ein Budget stützen, das sich durchaus mit anderen in der Bundesliga messen kann?
5 Sieht der Trainer Licht am Ende des Tunnels, auch wenn er Spielern die Reife abspricht?
„Ich möchte mir gar nicht vorstellen, dass wir im Jubiläumsjahr absteigen“, bringt Vorstandsmitglied Martin Weberberger eine emotionale Komponente ins Spiel. Ob die sportliche Führung zur Disposition steht, dazu möchte er sich ebenso wenig äußern, wie zuvor schon Hannes Bodner. Aber es scheint durchaus möglich, dass bereits vor dem 15. Oktober eine Entscheidung fällt – pro oder contra sportliche Führung.
„Derzeit möchte ich nichts zur Situation sagen“, will Kasper Plattner vorerst kein Öl mehr ins lodernde Wacker-Feuer gießen. Aber die Tatsache, dass ihn die Fans mittlerweile auch als Schuldigen der Misere ausgemacht haben, lässt den Unternehmer nicht kalt. Dem Vernehmen nach wollte sich Kasper Plattner im Jubiläumsjahr 2013 von seiner Obmannschaft zurückziehen, auch die Verträge von Prudlo (Vertrag bis 31.12.2013) und Kogler (30.6.2013) laufen dann aus. Ob schon vorher etwas passiert? Plattner: „Unter Umständen.“
Innsbruck – Auch am Tag nach dem Frontalangriff des Obmanns wollte Oliver Prudlo seinerseits noch keine Konter ausfahren: „Ich suche ein klärendes Gespräch und werde über die Medien davor nichts ausrichten. Das wäre für niemanden gut und für den Verein erst recht nicht“, erklärt Prudlo gestern. Auch die Reaktion von Trainer Walter Kogler fällt diesbezüglich verhalten aus: „Dazu kein Kommentar, weil ich die Vorwürfe im Detail nicht kenne.“
Der Wacker-Coach hat ja auch genug andere Sorgen. Zehn Niederlagen nach elf Runden, die meisten Tore kassiert, die wenigsten geschossen – das Gesamtpaket FC Wacker ist zurzeit eindeutig zweitklassig. Was die Admira mit dem Tiroler Andi Schrott freute, denn der vierte Saisonsieg wurde den Niederösterreichern ziemlich leicht gemacht.
Defensiv sind bei den Schwarzgrünen alle Schleusen offen, offensiv ist Roman Wallner ein armer Hund. Der 30-Jährige macht so viel leere Kilometer, dass ihm dann in den entscheidenden Momenten – wenn er es einmal nicht mit drei gegnerischen Verteidigern zu tun hat – die Kraft fehlt. Dazu kommt, dass die Routiniers Martin Svejnoha, Tomas Abraham und Carlos Merino von ihren Aufgaben als Führungsspieler meilenweit entfernt sind. Wenn es eine Konstante im Team gibt, dann ist es die totale Verunsicherung.
Keine Qualität, keine Kreativität, kein Selbstvertrauen – die ideale Abstiegsmischung. Sieben Niederlagen in Serie, dazu 3:19 Tore fabrizierten die Tiroler in den letzten Wochen. Klar, dass der FC Wacker in der aktuellen Form Abstiegskandidat Nummer eins ist. Der aktuelle Trend schreit geradezu nach Veränderung. Und im nächsten Heimspiel kommen ausgerechnet die auswärtsstarken Rieder, die mit dem 5:2-Erfolg in Wolfsberg Selbstvertrauen tankten. „Wir müssen die Länderspielpause nützen, um noch intensiver daran zu arbeiten, unsere Fehlerquellen zu beheben“, blickt Kogler unbeeindruckt von allen Personaldiskussionen nach vorne. Außerdem gelte es für die nächste Partie, Ersatz für Verteidiger Marco Kofler und Kapitän Tomas Abraham zu finden.
F. Madl / W. Müller
Beim FC Wacker schrillen vor dem Samstag-Heimspiel gegen Wolfsberg aufgrund der angespannten sportlichen Lage und vor allem wegen möglicher Aktionen von Chaoten die Alarmglocken.
Innsbruck – Gerald Schwaninger bringt so schnell nichts aus der Fassung, schließlich hat Wackers Geschäftsführer in den letzten Jahren recht turbulente Zeiten gemeistert. Doch beim Thema Platzsturm ist schlagartig Schluss mit lustig. „Allein die Androhung einer solchen Aktion spricht gegen alle Verhaltensregeln unseres Klubs. Wenn jemand uns vorsätzlich schaden will, dann hat er genau so etwas Dämliches im Sinn“, will Schwaninger die in diversen Foren kursierenden „Aufforderungen“ früh im Keim ersticken und wartet auch gleich mit einigen Zahlen auf. Denn in der vergangenen Frühjahrssaison liefen schon einige Unverbesserliche im Heimspiel gegen Rapid aufs Feld (sic! Anm.: Auf dem Spielfeld befand sich niemand).
Mit 7000 Euro Strafe war der Klub noch gut bedient, aber 30.000 Euro werden sofort fällig, wenn etwas Ähnliches passiert. „Die bedingte Strafe plus das Maß der neuerlichen Verfehlung würde uns sofort treffen. Das geht bis hin zu einer befristeten Stadionsperre“, bringt Schwaninger auf den Punkt, was – unabhängig von der sportlich ohnehin schon mehr als angespannten Lage – ein Platzsturm gegen Wolfsberg bedeuten würde. „Das wäre eine Bankrotterklärung der Fanszene und auch für den Verein in Bezug aufs Budget und Außenwirkung auf Sponsoren mehr als fatal. Dann muss man sehr viel gründlich hinterfragen“, droht Wackers Geschäftsführer im Falle neuerlicher Ausschreitungen mit entsprechender Reaktion: „Wir werden dann alles daran setzen, Regress einzufordern.“ Schwaninger ist schon klar, „dass wenn sich ein paar einbilden, unbedingt aufs Feld zu laufen, man eigentlich trotz aller Sicherheitsvorkehrungen machtlos ist, weil im Stadion keine Zäune sind“. Aber? „Wenn sie am Spielfeld sind, dann werden sie auch identifiziert und wir werden dann alle Hebel in Bewegung setzten, die dem Verein entstandenen Strafen und Kosten eben von diesen Leuten zurückerstattet zu bekommen.“
Auch Martin Weberberger, das für die Fans zuständige Vorstandsmitglied, warnt: „Ich appelliere an unsere Anhänger, ruhig zu bleiben. Es nützt niemandem etwas, noch dazu in einer Situation, die ohnehin ernst genug ist. Wenn jemand seinen Unmut äußern will, gibt es auf der Tribüne mit Plakaten und Sprechchören genug Möglichkeiten dazu.“
Bezüglich Platzsturm ist der FC Wacker Innsbruck ohnehin ein gebranntes Kind. Im Mai 1996 wurde die Heimpartie gegen Ried beim Stand von 2:2 abgebrochen, weil Chaoten das Feld stürmten. Das Spiel wurde 3:0 strafverifiziert, 70.000 Schilling Strafe waren fällig. Im September 2007 – wieder gegen Ried – stand das Spiel bei 0:1-Rückstand wieder vor dem Abbruch. Nach längerer Unterbrechung wurde fertig gespielt, Obmann Gerhard Stocker, Vereinsangestellte und natürlich Sicherheitspersonal räumten den Rasen – Strafe 15.000 Euro. So genannte Fans hatten es wieder einmal geschafft, „ihren“ Verein aber so richtig gründlich zu schaden und waren wahrscheinlich auch noch mächtig stolz darauf.
Apropos Strafen – letzte Saison hatte der FC Wacker wegen diverser Fanvergehen insgesamt knapp 40.000 Euro zu zahlen. Dabei werden vom Verein pro Saison 35.000 in präventive Maßnahmen, die eben diese Strafen endlich verhindern sollen, gesteckt. Verdammt viel Geld – wofür bitte?
F. Madl / W. Müller
Die Nachwehen des beachtlichen Wacker-Remis bei der Wiener Austria (2:2): eine 750-€-Geldstrafe für den Trainer und viel Diskussionsstoff rund um den Schiedsrichter.
Innsbruck – Sie bilden nicht nur das Salz in der Suppe, mitunter streuen sie es auch. Die Schiedsrichter, obwohl im Profifußball bestenfalls Trinkgeld-Empfänger – zumindest in Österreich. Rund 1000 Euro brutto plus Diäten gibt es in der heimischen Bundesliga zu verdienen. Und die hätten dem Vorarlberger Dominik Ouschan nach Ansicht des Kärntners Walter Kogler auch nicht gebührt. Dass der Wacker-Coach nach einem kuriosen Elferpfiff beim vierten Offiziellen mit einem 100-Euro-Schein winkte, bescherte ihm am Sonntag einen Tribünenplatz und gestern eine Geldstrafe vom Senat 1: 750 Euro für unsportliches Verhalten und wegen Schiedsrichterbeleidigung.
Der so kritisierte Schiedsrichter Dominik Ouschan reagierte nach den verhängnisvollen Entscheidungen im gestrigen TT-Gespräch zerknirscht: „Natu?rlich bin ich nicht zu 100 Prozent mit der Spielleitung zufrieden. In der Zeitlupe sieht man manche Situationen einfach anders, so ehrlich muss man sein. Das passiert aber in allen Ligen Europas.“ Tirols FIFA-Schiedsrichter Thomas Einwaller stellt sich jedenfalls auf die Seite seines Zunftkollegen, der 34-Jährige kann Koglers Geldscheinwinken nicht nachvollziehen: „Hier fehlt jeder Respekt! Wenn er mit Geld winkt, verstehen das die Zuschauer ausschließlich in einem Zusammenhang.“ Auch Ouschan schüttelt nur den Kopf: „Die Aktion muss Walter Kogler selbst verantworten, im Licht von Fairplay möchte ich dazu keinen Kommentar abgeben. Ich weiß nicht, ob er sich der Aussenwirkung bewusst ist.“
Etwas, das Kogler prompt dementiert: „Damit wollte ich keinesfalls unterstellen, dass irgendwer gekauft wurde. Das war Ausdruck meines, wie ich glaube, berechtigten Ärgers über die Schiedsrichterleistung. Ich hab‘ nur gesagt, dass die Leistung zum Schämen ist und er dafür auch noch Geld kassiert. Dazu steh‘ ich auch.“ Der Wacker-Trainer wähnt sich ungerecht behandelt: „Drei fatale Fehlentscheidungen – und was sind die Konsequenzen? Er geht morgen ganz normal arbeiten und verdient sich sein Geld, für ihn ist Schiedsrichtersein nur ein besser bezahltes Hobby. Aber wir, ein ganzer Verein, leben davon.“
Eine Aussage, die Einwaller nur ein Kopfschütteln kostet: „Wenn er glaubt, dass das für uns ein Hobby ist, kennt er sich in der Szene zu wenig aus. Wir richten unser ganzes Leben nach dem Schiedsrichtersein aus.“ Ein Grund, warum der Scheffauer gestern seinen Rücktritt von der großen Bühne des Fußballs ankündigte, um sich künftig seiner Familie zu widmen. Fehler würden überall passieren, das sei so und könne man nicht ändern. Einwaller: „Kogler muss verstehen, dass wir alle zusammengehören – die Spieler, die Trainer, die Schiedsrichter.“ Den Grund dafür, dass Walter Kogler auf die Tribüne verbannt wurde, sah der Kärntner übrigens in einem anderen Vergehen: „Ich habe die Trinkflasche weggekickt. Das hat der Offizielle an der Seitenlinie dann via Headset dem Hauptschiedsrichter weitergegeben.“
Nach dem Schlusspfiff schoss sich auch Austria-Trainer Karl Daxbacher auf den Unparteiischen ein: „Unser Elfmeter war niemals zu geben. Und wenn der Schiedsrichter bei einer Aktion zuvor schon Elfmeter gegen uns gibt, können wir uns auch nicht beschweren.“ Kogler sieht das als Bestätigung. Und mit dem „vierten Mann“ an der Seitenlinie samt Kommunikationsgerät hatten ohnehin beide Trainer ein Problem: „Der vierte Schiedsrichter ist ersatzlos zu streichen! Der bringt nur Wirbel ins Spiel, den braucht niemand. Wenn einer laut schnauft oder die Schuhspitze zehn Zentimeter außerhalb der Zone hat, regt der sich auf. Aber sonst sieht er nichts“, meint Kogler.
Ob Dominik Ouschan jemals wieder ein Wacker-Spiel pfeifen will? „Nach meiner eigenen Analyse des Spiels schaue ich wieder nach vorne. In ein nächstes Wacker-Spiel gehe ich unvoreingenommen.“ Ein versöhnlicher Schlusssatz.
