FC Wacker. Die Lizenzverweigerung in erster Instanz offenbarte ein weiteres Mal, dass es für einen wirtschaftlich gesunden Profifußballverein in Innsbruck vor allem eines braucht: Eine Öffentlichkeit und somit eine öffentliche Hand, die einen wirtschaftlich eigenständigen Verein haben will.
Auch wenn der FC Wacker mit der Lizenznichterteilung in erster Instanz Lichtjahre vom FC Tirol Finanzdesaster entfernt war – am Ende des Tages zahlt er eine Rechnung für eine Konstellation, die er nicht ändern kann. Wieder sind „Schuldenkaiser" am Tivoli am Werk, wieder ist der Verein pleite und wie- der heißt es landauf und landab „sperrts den Laden endlich zu". Dass der Wacker heuer 177.000 Euro Unterdeckung im Budget, also bezüglich seiner Einnahmen-/Ausgabenplanung gerade einmal 2,52 Prozent Schieflage in Richtung rote Zahlen hat, wird dabei ebenso verschwiegen, wie die Tatsache, dass der Innsbrucker Fußballverein alles andere als perfekte Rahmenbedingungen hat. Jetzt wäre, jetzt ist der Zeitpunkt für einen reinen Tisch gekommen. Will man einen wirtschaftlich soliden Wacker, muss die öffentliche Hand umdenken.
LEIDIGE GESCHICHTE.
Die nötige Zerschlagung des gordischen Knotens aus FC Wacker und Politik ist unausweichlich. Seit seiner Geburt im Jahre 2002 bestimmen weniger klar nachvollziehbare wirtschaftliche Faktoren das (politisch gelenkte) Handeln am Tivoli, vielmehr will (darf) es sich der FC Wacker mit seinen Geburtshelfern in der Tiroler Politik nicht verscherzen. So durfte als eine der ersten Aktionen des neu gegründeten FC Wacker 2002 nicht das wirtschaftlich deutlich lukrativere Medien- partner-Angebot der Krone akzeptiert werden, sondern der FC Wacker musste auf deutliches Anraten der Politik jenes der Tageszeitung annehmen – dass dieses finanziell spürbar schlechtere Konditionen für den Wacker brachte, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Und auch wenn die Geburtsstunde und somit dieses Exempel schon gute neun Jahre her ist – an genau
diesen Geburtswehen leidet der FC Wacker noch immer. Von der ersten Minute an wurde er nicht mit einem eigenen wirtschaftlichen Betätigungsfeld ausgestattet, sondern war und ist seit Anbeginn auf die Rolle des Bittstellers der heimischen Politik reduziert. So resultierte ein guter Teil der 800.000 Euro Außenstände unter Obmann Gerhard Stocker nicht aus wirtschaftlicher Fehlplanung des Unternehmers Stocker, sondern vielmehr daraus, dass sich der ehemalige Wacker-Obmann auf nicht gehaltene Zusagen der Politik verlassen hat. So wurde der Wacker-Vereinsführung auf Druck der Politik ein mächtiger Wirtschaftsbeirat aus Vertretern der größten (Landes-)Hauptsponsoren mit Kontroll- und Entscheidungsvollmachten vorgesetzt – ein Beirat, dessen Installierung viel böses Blut in die Tiroler Fußballwelt brachte und der seit der Gründung im Jahr 2007 de facto noch immer nicht existent ist. So war der 300.000 Euro wertvolle Sponsordeal Erdinger rasch Saison-Geschichte – der Exklusiv-Biervertrag der Olympiaworld (OW) verbot einem Wacker-Sponsor, bei einer Wacker-Veranstaltung sein Produkt auszuschenken. So muss der FC Wacker ohne Alternative mit der OW kooperieren – und genau hier ist die wohl größte Crux der wackeren Finanzen begraben.
Noch immer behauptet die Landes- und Stadtpolitik alljährlich gebetsmühlenartig, dass die OW mit einem möglichst geringen finanziellen Abgang zu führen ist. Dass eine Sportinfrastruktur dieser Größe, mit Kostenfressern wie einer Bobbahn und einem Außeneisring, automatisch ein deutliches Minus pro Jahr produziert, wird ein ums andere Mal verschwiegen. Sportinfrastruktur darf in Tirols Landeshauptstadt weiterhin einfach nichts kosten. Zumindest dann, wenn sie für die heimische Sport- vereine und Sportler nutzbar und sinnvoll wäre. Millionenkosten für verrostende Stadionausbauten oder die x-te Pseudo-Großveranstaltung waren, sind und werden politisch problemlos abgesegnet. Somit bleibt OW-Geschäftsführer Michael Bielowski wenig anderes möglich, als in seiner Funktion, mit diesem politischen Auftrag der Abgangsminimierung ausgestattet, die wirtschaftlichen Interessen der Sportstätten vor die Interessen der darauf angewiesenen Vereine zu stellen. Was bedeutet: Geschäft ist eine Sportveranstaltung in der OW für Eishockey-, American Football- oder Fuß- ballvereine keines. Zumindest kein gutes.
BITTERE ZAHLEN.
Über 10.000 Zuseher lockte der sportlich erfolgreiche Aufsteiger in der heurigen Saison im Schnitt ins Stadion – im Grunde genommen ein tolles Geschäft. Wäre hier nicht die im österreichischen Vergleich so mickrige Ertragslage beim Kioskgeschäft: Im Schnitt lukriert der FC Wacker pro Spiel 1750 Euro an Cateringeinnahmen aus Bier- und Brezelgeschäft – und kann damit nicht einmal die Hälfte seiner Reinigungskosten bezahlen. Eine Ertragslage, die im Bundesliga-Vergleich an unterster Stelle steht und natürlich auch der wirtschaftlichen Handlungspflicht der OW geschuldet ist. Denn nicht der FC Wacker darf sich den Caterer für seine Veranstaltungen aussuchen – nein, die OW verkauft jenes Recht in Eigenregie, den Vereinen wird der Geschäftspartner für den wichtigen Catering-Bereich vorgesetzt. Ergo erhält der FC Wacker sechs Prozent Umsatzerlös aus dem Kioskgeschäft – im Bundesligaschnitt wird mindestens doppelt so viel bzw. noch deutlich mehr von externen Caterern an die Veranstalter der Spiele überwiesen. Dass dem Wacker nur sechs Prozent bleiben, ist natürlich der Nutzung der OW- Infrastruktur zu verdanken – jeder Caterer darf neben dem FC Wacker auch der OW weitere sechs Prozent Umsatzbeteiligung überweisen. Eine Aufteilung in Veranstalter und Infrastrukturinhaber, welche auch nach dem Konkurs von Kitz-Catering und der Cateringübernahme durch die OW in Eigenregie weiterhin Bestand hat. Sprich, die OW darf nicht nur mit dem Ertrag des Cateringgeschäftes rechnen, sondern sich nebenbei auch noch die sechs Prozent für
den Infrastrukturinhaber überweisen. Für den Wacker bleiben bei Saison-Besucherrekord und bestem Bierwetter gerade ein- mal 4000 Euro und ein paar Cent – nicht einmal genug um die Stadionmiete zu begleichen.
FRISS ODER STIRB.
Damit der FC Wacker in diesem wirtschaftlichen Umfeld dann doch nicht wieder gleich pleitegeht, gibt es im Gegenzug ein nahezu undurchschaubares Geflecht an finanziellen Zuwendungen der öffentlichen Hand: Hier 270.000 Euro Infrastrukturförderung, dort 120.000 Euro für Platz- und Kabinenmieten im Amateur- und Nachwuchsbereich, hier schnell 300.000 Euro Sponsoring der OW, dort 100.000 Euro der Tirol-Werbung. Ein stetes Leben am finanziellen Gängelband der Politik, die weder den Landesunternehmen nutzt noch dem FC Wacker. Denn je- des Engagement von Landesunternehmen beim FC Wacker ist ein gezwungenes, somit für das jeweilige Unternehmen werbe- technisch nahezu wertloses und für den FC Wacker ein finanziell möglichst gering gehaltenes. Und jedes ein Schildbürgerstreich
in Zeitlupe. So wurde der Wacker bei der Suche nach neuen Einnahmequellen zur Abdeckung der 1,2 Millionen Altlasten aus den zwei Zweitligasaisonen bei der Politik vorstellig, um etwaige Vermarktungsmöglichkeiten des Tivoli-Stadions zu ergründen. Die Politik, die gern gesehene Retterin des Tiroler Fußballs, zeigte sich nicht abge- neigt und erteilte seiner OW die Weisung, dem Wacker das Vermarktungsrecht für die Süd- und Nord-Ost-Seite des Stadions zu geben. Mit einer Bedingung: Als Käufer dieser Werbefläche darf nur die Tirol Werbung in Betracht gezogen werden. Eine Konstellation, die somit nur eines bedeutet: Nicht die wirtschaftlichen Faktoren (Wie viel ist diese Werbefläche welchem Nutzer wert?) bestimmen die Verhandlungen und somit Einnahmen des Vereines. Nein, der Wacker braucht 1,2 Millionen – also zapft die Politik die nächste landeseigene Geld- quelle an und verschiebt über sechs Ecken jährlich 100.000 Euro auf zehn Jahre zum FC Wacker. Dieses Übelkeiterregende finanzielle Ringelspiel fährt die heimische Sportpolitik seit Jahren. Ob über kreative OW-Konstellationen, über verschlungene Förderungen für X und Y oder über die erzwungenen Engagements von Landesunternehmen am Tivoli. Denn ohne politische Hilfe geht der Verein ja wieder pleite...
Soll er doch. Oder er darf zum ersten Mal beweisen, dass auch in Innsbruck Profi-Fußball zu schaffen wäre. Das Potenzial ist vorhanden. So zeigt das immense und anhaltende Wachstum an Kleinsponsoren – also jenen Käufern von Werbe- oder Unterhaltungsleistungen ohne politischen Druck – auf mittlerweile 131 Sponsoren bis 50.000 Euro, dass der Wacker auch ohne Politik wirtschaften kann. Ergo deckt er bereits ein Siebtel seines Budgets durch echte Sponsoren. Ergo könnte ihm durchaus zugetraut werden, bei der Stadionvermarktung einen besseren Deal auszuhandeln. Ergo nur logisch, ihm das Kioskgeschäft zu überlassen. Ergo könnte er beweisen, auch landesnahe Unternehmen für den Fußball gewinnen zu können – nicht aufgrund einer Weisung seitens der Politik, sondern weil es für alle beteiligten eine sinnvolle Partnerschaft wäre. Eine wirtschaftlich erfolgreiche.
