Michael Kogler
Wieder einmal musste der FC Wacker den finanziellen Canossagang zur öffentlichen Hand antreten. Noch immer klaffen Wunsch und Wirklichkeit am und ums Tivoli auseinander.
Der FC Wacker ist so gut wie pleite. Wieder einmal. Der FC Wacker muss von der öffentlichen Hand finanziell gerettet werden. Wieder einmal. Das scheinbar alljährliche Murmeltier grüßt auch im heurigen Frühjahr am Tivoli. Jeweils 100.000 Euro lassen die Stadt Innsbruck, das Land Tirol, die Hypo, die TIWAG und die Olympiaworld springen, um dem abstiegsgefährdeten Bundesligisten ein Überleben zu ermöglichen. „Wir können jetzt einfach und allein nur Danke für die Unterstützung sagen, müssen die öffentlichen Prügel hinnehmen und endlich dafür Rechnung tragen, dass sich der FC Wacker von diesem sich wiederholenden finanziellen Betteln befreien kann“, umreißt Gerald Schwaninger, Geschäftsführer des Innsbrucker Bundesligisten, den alles andere als erfreulichen Frühling. Wobei Schwaninger zugleich ein wenig Licht ins finanzielle Dunkel bringt. Bringen muss.
„Es ist keinesfalls so, dass wir heuer ein Minus von 700.000 Euro erwirtschaftet haben. Diese Summe ist lediglich eine Zusammenfassung unseres Wirtschaftsprüfers und wurde medial und öffentlich komplett falsch kommuniziert“, nimmt der Geschäftsführer die Außendarstellung des FC Wacker selbst mit in die Pflicht: „Das finanzielle Hauptproblem war wie eh und je, dass wir mit einem völlig ausgereizten Budget in die Saison gehen – und wir die durch die sportliche Misere entstandene Schieflage auf der Einnahmen- und Ausgabenseite nicht selbst schultern konnten.“ Genauer: Der FC Wacker kalkulierte für die heurige Spielzeit ungefähr mit denselben Zusehereinnahmen wie in der abgelaufenen Saison – knapp über eine Million Euro. Wegen des gravierenden Fehlstarts und des damit verbundenen Zuseherrückgangs werden im besten Fall knappe 800.000 Euro an Einnahmen erzielt werden können: „Ich würde jetzt nicht sagen, dass wir die Zahlen viel zu hoch angesetzt haben – immerhin haben wir letztes Jahr mit der fast gleichen Mannschaft im gesicherten Mittelfeld mitgespielt und haben die großen ab und an ärgern können und dementsprechende Zusehereinnahmen gehabt. Aber der schlechte Start hat alle guten Planungen zunichte gemacht“, erklärt Schwaninger den rund 20-prozentigen Rückgang der Zusehereinnahmen.
Was einmal gute 285.000 Euro an geringeren Einnahmen wären – hinzu kommt noch eine ordentliche Packung, welche die Trennung von Walter Kogler, die Verpflichtung von Roman Wallner und der neue Trainer Roland Kirchler mit sich brachten. Summa summarum stolze 300.000 Euro an zusätzlichen Ausgaben. Geringere Einnahmen und höhere Ausgaben bringen somit ein dickes Minus von 585.000 Euro in die wackere Vereinskasse. Wacker-Präsident Kaspar Plattner hat den Verein in der Vergangenheit schon aus der ein oder anderen finanziell bedürftigen Lage befreit – diesmal konnte und wollte der scheidende Präsident nicht mehr die Brieftasche zücken. Und auch nicht seine Vorstandskollegen. Also musste für den Lizenzerhalt wieder einmal die öffentliche Hand helfend beistehen.
Resultiert ein Teil dieses Brockens aus dem Zuseherrückgang, ist der andere der klassischen „Zockerei“ im Fußballgeschäft geschuldet. Um sich aus der sportlichen Talsohle zu befreien, wurde nicht nur Walter Kogler durch Roland Kirchler ersetzt (doppelte Trainer-Gehaltskosten), sondern auch Roman Wallner als neuer Heilsbringer verpflichtet. Dass damit das ohnehin schon knapp bemessene Budget der Kampfmannschaft nicht zu halten war, dürfte jedem klar sein: Ein ehemaliger österreichischer Nationalspieler schnürt trotz eines Zwischenengagements in der deutschen Regionalliga Nord nicht um 5000 Euro im Monat die Patschen. Sowohl Geschäftsstelle als auch Wirtschaftsprüfer des FC Wacker schätzten die mögliche Wallner-Verpflichtung von Anfang an als „unfinanzierbar“ ein – verpflichtet wurde der Stürmer trotzdem. „Klar, wenn es aufgeht und Roman 15 Tore schießt, wir durch ihn im Mittelfeld stehen und die Zuseher einen neuen Liebling haben, ist alles perfekt. Aber dieses Wetten auf künftige Erfolge hat nicht nur den FC Tirol einst in die Misere gebracht, sondern schon unzählige österreichische Vereine“, stellt Schwaninger klar und fordert für den x-ten Neustart am Tivoli endlich klare Verhältnisse: „Wir haben nur das, was wir haben. Wir dürfen nur das ausgeben, was wir auch haben. Damit können wir weder vom Europacup träumen noch irgendwelche ‚Stars‘ verpflichten. Das muss uns allen im Verein, vom Vorstand bis hin zum Fan, genauso klar sein wie den Medien und dem gesamten Land.“
Am wichtigsten dabei auf jeden Fall: Nach dem neuerlichen Hilfspaket ist nun der FC Wacker in einer Bringschuld. Auch wenn viele Probleme noch immer rund um den Fußballverein (Infrastruktur, Vermarktungsmöglichkeiten, Catering und dergleichen) nicht direkt vom Wacker beeinflusst werden können, geht es wieder einmal darum, das zarte Pflänzchen des Vertrauens in den Innsbrucker Bundesligisten herzustellen. Immerhin konnte der FC Wacker die letzten beiden Spielzeiten vor der heurigen Seuchensaison mit einem kleinen Plus abschließen – und dieses sogleich für den Abbau des Schuldenberges aus den beiden Zweitligasaisonen nutzen. Etwas, das sich heuer nicht ausgehen wird (siehe Info-Kasten) und somit vom heutigen Stand her einen Verlustvortrag von rund 68.000 Euro für die kommende Spielzeit bedeutet: „Das heißt, wir werden den aktuell laufenden Sparkurs in der Geschäftsstelle und bei der Kampfmannschaft fortsetzen müssen und gleichzeitig die Einnahmenseite aufbessern“, so Schwaninger über die – logischen – Hausaufgaben des FC Wacker. Hierbei hat der Geschäftsführer des Fußballvereins jedoch ein gutes Gefühl: Rund 85 Prozent der Großsponsoren für die kommende Saison sind schon unter Dach und Fach, wie auch 80 Prozent der Kleinsponsoren ihre Zusammenarbeit schon jetzt unterschrieben haben: Somit geht der FC Wacker mit rund 6,6 Millionen Euro ins kommende Jahr.
Dass damit keine großen Sprünge bezüglich der Kaderplanung möglich sind, ist Schwaninger mehr als nur bewusst, aber: „Vom Finanziellen her ist eine junge Mannschaft mit österreichischen Spielern natürlich sehr interessant – wir lassen pro Jahr einige Hundertausend Euro im Österreicher-Topf der Bundesliga liegen. Geld, das der Verein mehr als nur gut gebrauchen könnte. Und hinzu kommt, dass die Jungs aktuell sehr gut zeigen, dass auch mit ihnen ein Ligaerhalt nicht unrealistisch ist. Ich gehe einmal davon aus, dass wir diesen Weg die kommenden Jahre gehen werden. Gehen werden müssen.“ Sprich jüngere, einheimische Spieler, sprich eine klare Positionierung im unteren Drittel mit Überraschungsmöglichkeiten nach oben und sprich vor allem – endlich – über mehrere Spielzeiten vorgelebte finanzielle Gesundung. „Das heurige Jahr, der Bittgang zur öffentlichen Hand, hat all das in den letzten zwei Jahren Erreichte auf einen Schlag vernichtet“, weiß der Geschäftsführer des FC Wacker über die immense Bedeutung dieser anstehenden Aufgabe. Etwas, das auch der neue, künftige Vorstand des FC Wacker von der ersten Sekunde an spüren wird: Wenn dieser nicht bereit ist, einiges an eigenem Geld für den Profifußball am Tivoli zu „spenden“, muss endlich mit den vorhandenen Mitteln ein Auskommen gefunden werden.
Licht ins finanzielle Dunkel
Wie setzen sich die medial verbreiteten rund 700.000 Euro an Finanzbedarf des FC Wacker zusammen?
Geringere Zusehereinnahmen 285.000
Entlassung Kogler/Transfer Wallner 300.000
Summe außerbudgetärer Belastung 585.000
Geplanter anvisierter Jahresgewinn 115.000
Genereller Finanzbedarf 700.000
Wie sieht die aktuelle Prognose für das heurige Wirtschaftsjahr des FC Wacker aus?
Aktueller Finanzbedarf 683.000
Förderung Stadt, Land, Hypo
Tiwag und Olympiaworld 500.000
Nicht zu erzielender Jahresgewinn 115.000
Prognostizierter Verlustvortrag -68.000
Michael Kogler
Klaus Haim, Obmann der WSG Swarovski Wattens, erteilt einem Engagement beim FC Wacker eine Absage. Viel wichtiger ist für ihn die längst ausständige Realisierung des Tiroler Fußballmodells.
Mit der Ankündigung von Wacker- Präsident Kaspar Plattner, im Sommer das Amt zu übergeben, beginnt die Nachfolgersuche. Und so sicher wie das Amen im Gebet fällt bei der Besetzung der Kapitänsposition beim Wacker-Vorstand sofort der Name Swarovski. Die Gerüchteküche brodelt, die altbekannten Fußball-Glücksritter sehen die immer ersehnten kristallfinanzierten Millionen-Transfers für Schwarz/Grün wieder einmal in greifbarer Nähe. Klaus Haim, als langjähriger WSG-Wattens-Obmann und fußballerischer Vertrauter des legendären Fußball-Mäzens Gernot Langes Swarovski quasi Swarovski-Fußballabteilungsleiter, kann, darf und muss die Gerüchteküche mit einem Schmunzeln negieren: „Ein klares Nein.“ Eine deutliche Absage an die Wiederauflage der Swarovski-Glanzzeiten am Tivoli, die für Haim vor allem in der mittlerweile geänderten Fußballwirklichkeit in Tirol, in Österreich begründet ist: „Einen Hansi Müller in der Blüte seiner Fußballerkunst würden wir heute um kein Geld der Welt mehr in die österreichische Liga holen können. Diese Zeiten sind auf ewig vorbei – somit auch das Mäzenatentum im heimischen Fußball. Dafür genügt ein Blick nach Salzburg. Selbst mit dem schier endlosen Red-Bull-Budget kann man keine Spieler kaufen, die einem national, geschweige denn international Erfolg garantieren“, so Haim in aller Deutlichkeit über die neue Zeitrechnung im heimischen Fußball. Genau deswegen wäre ein Engagement von Swarovski an vorderster Wacker-Front für Klaus Haim das völlig falsche Signal: „Dann würde es von allen Seiten sofort heißen: Swarovski soll halt noch ein paar Millionen locker machen. Dass es aber einer wirklichen strukturellen Reform des Tiroler Fußballs bedarf, würde damit überdeckt und wieder einmal auf die lange Bank geschoben werden.“
Eine Reform, die schon lange unter dem Schlagwort „Tiroler Fußballmodell“ umherschwirrt und im Grunde genommen eine koordinierte Zusammenarbeit im Land sowie eine deutliche Ausrichtung des Tiroler Fußballs auf die Ausbildungsschiene bedeutet. Neben einer – den Namen auch wirklich verdienenden – Akademie als Sammelbecken für die vielversprechendsten Talente der Region über die umfassende Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich von mehreren Vereinen bis hinauf zum Bundesliga-Fußball: „Optimalerweise mit unserer WSG Wattens in der zweiten Liga und dem FC Wacker in der Bundesliga“, so Haim über die schon seit Langem angedachte, aber noch nie realisierte Neustrukturierung. Welche bis dato mit etlichen Problemen kämpfen musste. Am Tivoli regieren seit dem Neustart 2002 ständige Führungswechsel, Finanzsorgen, Abstiegsängste und zumal auch voreilig herbeigeschriebene Europacup-Träume in regelmäßiger Abwechslung – eine schlüssige Politik bezüglich Tiroler Fußballmodell war beim FC Wacker in der jüngeren Geschichte nie wirklich zu erkennen. Auch weil dafür notwendige Partner – vom Fußballverband angefangen über die finanzielle bzw. infrastrukturelle Hilfe der öffentlichen Hand bis hin zum dafür notwendigen Mitspielen weiterer Tiroler Vereine – nie wirklich, vor allem nie konsequent gemeinsam an dem Projekt gearbeitet haben: „Mit der Ausnahme der WSG Wattens. Wie oft haben wir in unserer Geschichte dem heimischen Fußball, dem FC Wacker geholfen – ob mit Spielern, Trainern oder sogar einer Lizenz? Und noch dazu steht bei uns seit Jahren, Jahrzehnten die Nachwuchsarbeit an oberster Stelle. Hier investieren wir unsere Energie, unser Personal, unser Geld. Eben weil dies der einzig logische Weg für uns, für mich ist. Und weil wir diese Arbeit mit der Jugend so wichtig finden, ist das Familienunternehmen Swarovski noch immer der nach der TIWAG zweitgrößte Sponsor des Tiroler Fußballs“, so der mittlerweile seit knapp zwei Jahrzehnten für die WSG tätige Obmann, der genau aus diesen Gründen nochmals sein klares Nein zu Gerüchten wie auch bereits getätigten offiziellen an ihn herangetragenen Anfragen bekräftigt: „Ich werde mit Sicherheit nicht zum FC Wacker gehen. Ich werde mit Sicherheit der WSG Wattens treu bleiben.“
Somit wird das von etlichen Fußball-Hasardeuren herbeigesehnte Kristall-Füllhorn am Tivoli nicht kommen. Klaus Haim verspürt wenig Lust, für die Fußball-Träumereien anderer persönlich oder finanziell geradezustehen. Weil er eine andere Zielsetzung verfolgt: die Realisierung des Tiroler Fußballmodells mit der WSG Wattens in einer zentralen Rolle. Und dies wäre somit die einzige realistische Chance, die noch immer fußballaffine Familie mehr einzubinden. Um diese jedoch auch zu nützen, bedarf es nicht nur vonseiten des künftigen Wacker-Vorstands, sondern mehr oder weniger von Fußball-Tirol eines Kraftakts: eben die schon so lange überfällige Realisation des Tiroler Fußballmodells. Dass das Interesse hieran beispielsweise beim Tiroler Fußballverband, weiteren Tiroler Vereinen und sogar der Politik in letzter Zeit wieder gestiegen ist, nährt die Hoffnung auf eine Bewegung in dieser Causa. Dass solche Hoffnungen aber schon allzu oft mit schönen Ankündigungen genährt, aber immer ohne konkrete Fortschritte wieder in der Versenkung verschwunden sind, ist für Klaus Haim mit ein Grund, hier noch sehr vorsichtig zu agieren: „Die WSG Wattens war in den letzten Jahrzehnten immer ein verlässlicher Partner für den Tiroler Fußball. Daran wird sich nichts ändern. Wenn aber das Tiroler Fußballmodell endlich Formen annimmt und funktioniert, kann ich mir gut vorstellen, dass wir uns innerhalb dieses Modells noch stärker engagieren.“
Michael Kogler
Nach knapp drei Jahren im Amt verkündet Kaspar Plattner seinen Rückzug beim
FC Wacker zu Saisonende. Eine Bilanz zwischen sportlichen Erfolgen, sportlichen Ru?ckschlägen, finanziellem Auf und Ab sowie gelösten und immer noch ungelösten Problemen.
Du sollst als Fußballfanatiker nicht das höchste Amt bei einem Fußballverein bekleiden“, schickt Noch-Wacker-Präsident Kaspar Plattner seinem Nachfolger als wichtiges Gebot für eine erfolgreiche Präsidentschaft mit auf den Weg. Weil er es wissen muss. Der selbsttitulierte Fußballfanatiker war als langjähriger Freund des Innsbrucker Bundesligisten immer ein Förderer des FC Wacker. Nach dem Rückzug von Johannes Marsoner im Dezember 2009 war der Rumer Unternehmer der letzte Ausweg für den damals mehr als nur angeschlagenen Verein. Sportlich in der Zweitklassigkeit gefangen, finanziell mit einem Schuldenberg von 1,3 Millionen Euro mit steigender Tendenz belastet. „Natürlich war die erste Reaktion von mir: Ich kann und ich werde das Amt nicht übernehmen. Aber es hat sich weit und breit niemand anderer gefunden. Und nachdem es doch einer machen musste, nahm die Geschichte ihren Lauf“, blickt Kaspar Plattner auf den Beginn seiner Präsidenten-Karriere zurück. Nicht unbedingt zur Freude seines fußballaffinen Umfelds, nicht unbedingt zur Freude seiner Frau Brigitte: „Gerade weil unsere ganze Familie so fußballverrückt ist, weiß man, welcher Aufwand, welche Risiken und welche Mühe mit diesem Amt in Verbindung stehen. Also ich war nicht wirklich hocherfreut, als Kaspar diese Aufgabe übernommen hat.“
Dann kommt das große Aber. Die Präsidentenfamilie wurde im Verein von der ersten Sekunde an sehr gut aufgenommen. Der FC Wacker entwickelte sich unter der Regie von Kaspar Plattner – trotz einiger Rückschläge – in allen Bereichen in die gewünschte Richtung. Sportlich gelang wenige Monate nach dem Amtsantritt von Plattner der Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse – welche bis dato mehr oder weniger souverän gehalten werden konnte. Noch überraschender ist der Trendwechsel auf der finanziellen Seite: Nach längst überfälligen Umstrukturierungen im Verein gelang es in den beiden folgenden vollen Bundesligasaisonen ein finanzielles Plus zu erwirtschaften: „Das ist für die mittel- und langfristige Entwicklung des Vereines wohl am wichtigsten. Immerhin konnte in meiner Funktionszeit der einstige Schuldenstand von circa 1,3 Millionen Euro durch harte Arbeit des ganzen Teams auf 980.000 Euro reduziert werden“, umreißt Plattner die zwei wichtigsten Weichenstellungen in seiner bisherigen Funktionsperiode.
So erfreulich diese Bilanz für den Präsidenten des FC Wacker auch ist, so wackelig steht sie immer noch auf den Beinen: „Es geht einfach so schnell. Noch im Frühjahr haben wir an den internationalen Plätzen schnuppern können. Ein paar Wochen später stehen wir mit fast der gleichen Mannschaft abgeschlagen auf den letzten Platz. Und dann kippt die Stimmung. Im Verein, bei den Fans, bei den Sponsoren, in der Öffentlichkeit“, verweist Plattner auf die letzten, zugegeben etwas schwierigeren Monate als Wacker-Präsident. Welche auch durchaus mit ein Grund für seinen für den Sommer 2013 angekündigten Rückzug von der Spitze des Innsbrucker Bundesligisten waren: „Natürlich bin ich schon 72 und muss nicht mehr alles zerreißen. Hinzu kommt, dass beispielsweise die schlussendlich nicht mehr vermeidbare Trennung von Walter Kogler ein sehr negatives Erlebnis für mich war. Immerhin haben wir über zwei Jahre lang gemeinsam hart, aber auch erfolgreich an der Weiterentwicklung der Mannschaft gearbeitet – und innerhalb weniger Wochen ist das alles nichts mehr wert. Dann kommt der Druck und man muss einen guten, langjährigen Weggefährten entlassen. Das ist wirklich nicht einfach.“ Hinzu kommt natürlich, dass in schlechteren Zeiten gerne die aus der Deckung kommen, die ansonsten nie zu sehen sind: „Eigentlich müsste es uns egal sein, aber wenn du die ganze Zeit anonyme Schreiben von Nörglern oder sonst wem bekommst, die dich beschimpfen und einfach nur alles besser wissen, fragst du dich irgendwann schon, warum wir das Ganze überhaupt machen“, erklärt Gattin Brigitte einen Schritt der Entscheidungsfindung für den Rückzug.
Somit steht dieser für die Familie Plattner im Sommer fest. Auch wenn es natürlich ein wenig Wehmut gibt. Ob Aufstieg, Spiele wie gegen Salzburg vor knapp 14.000 Zusehern, enges, familiäres Vereinsleben und auch kontinuierliche Besserung der finanziellen Lage – die Amtsperiode von Kaspar Plattner ist für ihn trotz aller Rückschläge in jüngerer Vergangenheit von positiven Eindrücken geprägt: „Ansonsten hätte ich es ja auch nicht so lange durchgehalten – ich glaube, dass ich in der Geschichte des Wacker zu den eher längerdienenden Präsidenten gehöre.“ Genau deswegen ist es ihm auch ein Anliegen, seinen Rücktritt nicht von heute auf morgen als vollendete Tatsache auf den Tisch zu legen – sondern sich, dem Verein, dem ganzen Fußball-Land Tirol genügend Zeit zu verschaffen, hier eine geordnete Übergabe der Führung des Bundesligisten vorzubereiten.
Dazu gehört als erstes, sein Erbe beim Verein zu sichern: „Den erfolgreichen sportlichen und wirtschaftlichen Weg von zweieinhalb Jahren lassen wir uns jetzt sicher nicht durch einige harte Wochen kaputt machen“, verweist Kaspar Plattner auf die aktuell eher kritische Lage.
Durch Trainerwechsel, den Transfer von Roman Wallner und deutlich geringeren Zuseherzahlen hinkt das aktuelle Wacker-Budget der heurigen Planung von der schwarzen Null logischerweise spürbar hinterher. „Aber sollen wir deswegen gleich die Flinte ins Korn werfen? Ich bleibe positiv – Roli Kirchler hat im Herbst recht souverän den Anschluss in der Tabelle wieder hergestellt, das ganze Team weiß, dass es jetzt im Frühjahr von Anfang an alles geben muss, und diesen Elan wird der FC Wacker auch auf der finanziellen Seite an den Tag legen – der Verein wird von mir im Sommer ordnungsgemäß übergeben werden“, klingt Kaspar Plattner vielmehr kämpferisch als ratlos. Immerhin gilt es, die bis dato erreichte sportliche Erstklassigkeit und den kontinuierlichen Abbau des noch vorhandenen negativen Eigenkapitals beim FC Wacker für den Nachfolgevorstand zu sichern.
Aus gutem Grund. Unter der Regie von Kaspar Plattner begann der FC Wacker erstmals längerfristig, also über den Zeitraum von mehreren Saisonen, ein schlüssiges Konzept – sportlich wie finanziell – nicht nur vorzulegen, sondern auch einzuhalten. Und nur auf dieser Basis aufbauend können die noch immer vorhandenen Baustellen im heimischen Fußball Schritt für Schritt angearbeitet werden. Die größte davon – die generelle Ausrichtung im heimischen Fußball: „Es bleiben unter dem Strich einfach nur zwei Möglichkeiten. Entweder du zockst, kaufst auf Pump eine schlagkräftige Mannschaft zusammen und setzt auf sportlichen Erfolg und höhere Einnahmen. Oder du backst finanziell kleine Brötchen und bist irgendwo im Niemandsland“, umreißt Brigitte Plattner die seit Jahren und Jahrzehnten gleiche Ausgangslage. Ersteres ist gerade in Tirol nicht wirklich gut gegangen – was Kerscher/Bruckmüller/Hochstaffl bezeugen können – und war und ist für den Wacker-Präsidenten nie ein Thema: „Diese Zeiten sind in Österreich vorbei.“ Trotzdem hat auch Kaspar Plattner „ein wenig Spielgeld“ in den Fußball, in zwei Rechte an Spielern des FC Wacker investiert: „Dieses Modell wird beispielsweise auch bei der Wiener Austria realisiert. Firmen, Sponsoren und Gönner kaufen sich Rechte an Spielern, stellen diese dem Verein zur Verfügung und partizipieren an etwaigen künftigen Transfererlösen. Für mich ist es ein Investment, das im besten Fall auch Erträge abwirft. Aber ein Gönnertum, bei dem der Präsident einfach das Portemonnaie öffnet, ist es auf keinen Fall“, so Plattner.
Angesprochen auf die wichtigsten Eigenschaften von Kaspar Plattners Nachfolger als Wacker-Präsident reibt Gattin Brigitte intuitiv Daumen an Zeige- und Mittelfinger und verweist somit auf eine gut gefüllte Brieftasche – während Kaspar Plattner darüber zustimmend schmunzeln muss, aber eine andere, wichtige Eigenschaft an die oberste Stelle setzt: „Er muss das Fußballgeschäft mit kühlem Kopf sehen – und vor allem sich nicht auf Versprechen und Zusagen verlassen. Im Fußballgeschäft gilt das Hamburger Kaufmannswort nicht – die Handschlagqualität ist nicht gegeben. Ohne ein unterschriebenes, hundertprozentiges Ja darf nichts geplant werden.“ Hinzu kommt für den Noch-Präsidenten der Umstand, dass seinem Nachfolger von der ersten Sekunde an klar sein muss, dass ohne die Politik in Österreich kein Fußball möglich ist: „Von der Infrastruktur über die Stadionnutzung bis hin zu unseren Partnern in den öffentlichen Unternehmen sind hier so viele Schnittstellen gegeben, dass ein Fußballverein in Innsbruck, in Tirol und in Österreich ohne Zusammenarbeit mit der Politik nicht funktionieren kann. Hier würde ich mir für uns heute und für den FC Wacker morgen auch ein wenig mehr an Unterstützung – vor allem bei der Infrastruktur und den Möglichkeiten der Stadionnutzung – erwarten. Immerhin gibt es neben dem Fußball am Tivoli in Tirol nur wenige, die alle zwei Wochen 5000 Leute und mehr bewegen können.“
Ob bei ihm schon ein Nachfolger als Präsident angeklopft hat, wird von Kaspar Plattner ebenso mit einem Nein beantwortet wie die Frage, ob ihm ein optimaler Nachfolger einfallen würde. Einfach wird die Amtsübergabe somit mangels überschaubarem Andrangs nicht. Für Plattner somit neben sportlicher und finanzieller Sicherstellung seiner Amtsperiode die dritte Herausforderung im kommenden Frühjahr. Klar ist nur, dass der Rückzug von Kaspar Plattner fix ist. Auch wenn es kein völliges Verschwinden der Familie Plattner vom Tivoli sein wird: „Wir werden dem heimischen Fußball immer stark verbunden sein. Wir werden auch weiterhin – aber ohne die Übernahme von irgendwelchen Funktionen – mithelfen, den FC Wacker zu unterstützen. Also weg sind wir sicher nicht, dazu sind wir einfach zu große Fußballfanatiker. Aber die muss es ja auch geben.“
Michael Kogler
Schuldenstände, aktuelles Minus und die kommende Lizenzierung – ein genauer Blick auf die Finanzen des FC Wacker.
Die Ausgangslage.
Mit Stichtag 30. Juni 2012 konnte der FC Wacker für die Saison 2011/2012 einen Gewinn von 122.945 Euro verbuchen. Das zweite Jahr in Folge konnte somit das – aus der Amtszeit vor Kaspar Plattner und seinem Team stammende – negative Eigenkapital weiter abgebaut werden. Mit Ende der Saison 2012 lag das negative Eigenkapital – die Schulden des FC Wacker – somit bei 980.024 Euro (im Vergleich zu ca. 1,3 Millionen Euro bei Plattners Amtsantritt). „Somit konnte der FC Wacker auch das zweite Jahr in Folge die Vorgaben aus dem Reorganisationskonzept der österreichischen Bundesliga – kontinuierlicher Schuldenabbau über zehn Jahre – erfüllen“, verweist Wacker-Geschäftsführer Gerald Schwaninger auf die laufende, finanzielle Konsolidierung am Tivoli.
Die aktuelle Lage.
Auch für die Saison 2012/13 ging der FC Wacker wieder mit einem Budget mit schwarzen Null in die neue Saison. „Aber dass der Herbst so verläuft, wie er verlaufen ist, war bei der Erstellung des Budgets einfach nicht anzunehmen.“ Nach dem ersten Viertel der heurigen Saison stand sportlich ein Sieg acht Niederlagen gegenüber – mit direkten Auswirkungen auf die finanzielle Situation beim FC Wacker: „Zwar ersparten wir uns dadurch einiges an Punkteprämien – der durch die sportliche Misere mit sich kommende Zuseherrückgang wurde damit jedoch nicht kompensiert“, erklärt Schwaninger. Somit lag der FC Wacker nach dem ersten Quartal des heurigen Geschäftsjahres 40.000 Euro unter den Planungen. Ein Minus, das sich durch die Kosten des Trainerwechsels, des Wechsels von Roman Wallner und dem anhaltenden Zuseherrückgang (im Gros 1000 Zuseher unter dem kostendeckenden Schnitt) auf aktuell 200.000 Euro Minus im Vergleich zu den budgetierten Zahlen niederschlägt. „Das heißt jetzt jedoch nicht, dass diese Zahlen einfach auf das Endergebnis im Sommer hochgerechnet werden dürfen. Zum einen wird kein weiterer Trainerwechsel, kein finanziell aufwändiger Transfer durchgefu?hrt. Zum anderen erwarten wir uns sportlich bessere Ergebnisse – somit zwar mehr Punkteprämien, aber auch wieder mehr Zuseher“, zeigt sich Schwaninger kämpferisch: „Das akutelle Minus ist aufzuholen – es wird hart, aber es ist möglich.“
Der Ausblick.
Im Schnitt plant der Wacker-Geschäftsführer Schwaninger jährlich mit einem Plus von 110.000 Euro – um den im Reorganisationsplan zugesagten Schuldenabbau umsetzen zu können: „Aber es ist jetzt nicht so, dass die Bundesliga uns den Verein zusperrt, wenn wir dies in einer Saison nicht erreichen können. Trotzdem wäre es für die langfristige Entwicklung des Vereins immens gut, wenn wir auch heuer zumindest einen kleinen Teil abbauen könnten.“
Michael Kogler
Nach der Schmach der Lizenz-Nichterteilung in erster Instanz wollte, musste der Innsbrucker Bundesligist – endlich – seine Finanzen bzw. seine Finanzplanung neu ordnen. Mit dem Ergebnis, dass der FC Wacker einen – bis dato in dieser Form im Innsbrucker Profifußball noch nie gesehenen – Finanzbericht auf den Tisch legen kann. Einerseits für die ständige Kontrolle der Bundesliga, andererseits für die – notwendige – Ordnung der Wacker-Finanzmittel.
Auffälligstes Detail des Finanzberichts ist, dass trotz eines Einnahmenrückgangs von sechs Prozent das positive Jahresergebnis auf über 100.000 Euro gesteigert werden soll. Ein Plus, das Wacker nach Auflagen der Bundesliga auch erzielen muss. Um dies zu gewährleisten, haben die Vereinsverantwortlichen ein sehr vorsichtiges Budget vorgelegt: Vor allem bezüglich der Einnahmenseite sind wenige Positionen unklar. Die Großsponsoren (2.767.800 Euro) sind bereits zu 100 Prozent fix unter Dach und Fach und großteils mit langfristigen Verträgen an den Verein gebunden – bei den Klein- und Mittelsponsoren (530.823 Euro) ist das budgetierte Jahresplus von 94.500 Euro schon bis dato zu über der Hälfte erzielt worden.
Völlig fehlen auf der Einnahmenseite Transfer- und Verleiherlöse – die sich im Fall der Fälle positiv auf das Jahresergebnis auswirken könnten. Einzige wirkliche Unsicherheit auf der Einnahmenseite: die Zusehereinnahmen. Hier budgetiert der FC Wacker mit einem Minus von knapp sieben Prozent – der Rückgang der Aufstiegseuphorie des letzten Jahres wird durch die Erhöhung der Kartenpreise nicht aufgefangen werden können. Um die budgetierten knapp 1,9 Millionen Euro zu erreichen, benötigt der FC Wacker pro Spiel zu den knapp 3000 Abonnenten noch 3721 zahlende Besucher.
Einziges großes Fragezeichen auf der Ausgabenseite sind die Punkteprämien – hier hat der FC Wacker 50 Punkte (ebenso viele wie letztes Jahr eingefahren wurden) einkalkuliert. Somit dürften große Ausreißer nach oben nicht wirklich realistisch sein – vielmehr erhofft sich die Vereinsführung auf der Ausgabenseite noch das eine oder andere Einsparungspotenzial, zusätzlich zu den – dank Ausrüstervertrag, externem Personalabbau und Einsparungen in Verwaltung/Tagesgeschäft – bereits realisierten.
Den traditionell finanzgeplagten Vereins- verantwortlichen und Tiroler Fußballanhängern dürfte mit dem vorgelegten Finanzbericht eine Durchschnaufpause gegeben sein – die große Prüfung steht hingegen noch bevor: das Einhalten der vorgelegten Finanzziele.
Michael Kogler
Die Inhaber des Wacker, die Mitglieder, beweisen ein ums andere Mal, dass ihnen (fast) alles egal ist.
In den Nachwehen der FC Tirol-Pleite wurde der Wacker als Mitgliedervereingegründet, um mittels einem x-fachen Augen- und x-fachen Fragen-Kontrollsystem ein weiteres finanzielles Desaster am Tivoli zu verhindern. Der Mitgliederverein ist ein mächtiges Instrument, das die Mitglieder des Wacker aber noch nicht zu spielen gelernt haben. Ein einziges Mal ließen sie ihre Muskeln spielen und setzten ihre Namensforderung durch. Somit bewiesen und beweisen die Mitglieder, also die Aktionäre, also die Besitzer des Wacker eines: Es ist ihnen nur wichtig, dass Innsbruck im Namen aufscheint.
Ob der Wacker professionell geführt wird und auf wirtschaftlich gesunden Beinen steht, ist unwichtig. Jährlich wird vom höchsten Vereinsorgan, der Generalversammlung, ein deutliches Vorjahresminus durchgewunken, die dafür verantwortlichen Vorstände werden entlastet und ein immer neues, noch nie gehaltenes Sanierungskonzept wird akzeptiert. Kritische Stimmen, Nachfragen, Forderungen im wirtschaftlichen Bereich seitens der Mitglieder? Fehlanzeige. Mit ihrem Ignorieren der wirtschaftlichen Entwicklung des Wacker führen die Mitglieder ihren eigenen Mitgliederverein ad absurdum.
Michael Kogler
FC Wacker. Die Lizenzverweigerung in erster Instanz offenbarte ein weiteres Mal, dass es für einen wirtschaftlich gesunden Profifußballverein in Innsbruck vor allem eines braucht: Eine Öffentlichkeit und somit eine öffentliche Hand, die einen wirtschaftlich eigenständigen Verein haben will.
Auch wenn der FC Wacker mit der Lizenznichterteilung in erster Instanz Lichtjahre vom FC Tirol Finanzdesaster entfernt war – am Ende des Tages zahlt er eine Rechnung für eine Konstellation, die er nicht ändern kann. Wieder sind „Schuldenkaiser" am Tivoli am Werk, wieder ist der Verein pleite und wie- der heißt es landauf und landab „sperrts den Laden endlich zu". Dass der Wacker heuer 177.000 Euro Unterdeckung im Budget, also bezüglich seiner Einnahmen-/Ausgabenplanung gerade einmal 2,52 Prozent Schieflage in Richtung rote Zahlen hat, wird dabei ebenso verschwiegen, wie die Tatsache, dass der Innsbrucker Fußballverein alles andere als perfekte Rahmenbedingungen hat. Jetzt wäre, jetzt ist der Zeitpunkt für einen reinen Tisch gekommen. Will man einen wirtschaftlich soliden Wacker, muss die öffentliche Hand umdenken.
LEIDIGE GESCHICHTE.
Die nötige Zerschlagung des gordischen Knotens aus FC Wacker und Politik ist unausweichlich. Seit seiner Geburt im Jahre 2002 bestimmen weniger klar nachvollziehbare wirtschaftliche Faktoren das (politisch gelenkte) Handeln am Tivoli, vielmehr will (darf) es sich der FC Wacker mit seinen Geburtshelfern in der Tiroler Politik nicht verscherzen. So durfte als eine der ersten Aktionen des neu gegründeten FC Wacker 2002 nicht das wirtschaftlich deutlich lukrativere Medien- partner-Angebot der Krone akzeptiert werden, sondern der FC Wacker musste auf deutliches Anraten der Politik jenes der Tageszeitung annehmen – dass dieses finanziell spürbar schlechtere Konditionen für den Wacker brachte, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Und auch wenn die Geburtsstunde und somit dieses Exempel schon gute neun Jahre her ist – an genau
diesen Geburtswehen leidet der FC Wacker noch immer. Von der ersten Minute an wurde er nicht mit einem eigenen wirtschaftlichen Betätigungsfeld ausgestattet, sondern war und ist seit Anbeginn auf die Rolle des Bittstellers der heimischen Politik reduziert. So resultierte ein guter Teil der 800.000 Euro Außenstände unter Obmann Gerhard Stocker nicht aus wirtschaftlicher Fehlplanung des Unternehmers Stocker, sondern vielmehr daraus, dass sich der ehemalige Wacker-Obmann auf nicht gehaltene Zusagen der Politik verlassen hat. So wurde der Wacker-Vereinsführung auf Druck der Politik ein mächtiger Wirtschaftsbeirat aus Vertretern der größten (Landes-)Hauptsponsoren mit Kontroll- und Entscheidungsvollmachten vorgesetzt – ein Beirat, dessen Installierung viel böses Blut in die Tiroler Fußballwelt brachte und der seit der Gründung im Jahr 2007 de facto noch immer nicht existent ist. So war der 300.000 Euro wertvolle Sponsordeal Erdinger rasch Saison-Geschichte – der Exklusiv-Biervertrag der Olympiaworld (OW) verbot einem Wacker-Sponsor, bei einer Wacker-Veranstaltung sein Produkt auszuschenken. So muss der FC Wacker ohne Alternative mit der OW kooperieren – und genau hier ist die wohl größte Crux der wackeren Finanzen begraben.
Noch immer behauptet die Landes- und Stadtpolitik alljährlich gebetsmühlenartig, dass die OW mit einem möglichst geringen finanziellen Abgang zu führen ist. Dass eine Sportinfrastruktur dieser Größe, mit Kostenfressern wie einer Bobbahn und einem Außeneisring, automatisch ein deutliches Minus pro Jahr produziert, wird ein ums andere Mal verschwiegen. Sportinfrastruktur darf in Tirols Landeshauptstadt weiterhin einfach nichts kosten. Zumindest dann, wenn sie für die heimische Sport- vereine und Sportler nutzbar und sinnvoll wäre. Millionenkosten für verrostende Stadionausbauten oder die x-te Pseudo-Großveranstaltung waren, sind und werden politisch problemlos abgesegnet. Somit bleibt OW-Geschäftsführer Michael Bielowski wenig anderes möglich, als in seiner Funktion, mit diesem politischen Auftrag der Abgangsminimierung ausgestattet, die wirtschaftlichen Interessen der Sportstätten vor die Interessen der darauf angewiesenen Vereine zu stellen. Was bedeutet: Geschäft ist eine Sportveranstaltung in der OW für Eishockey-, American Football- oder Fuß- ballvereine keines. Zumindest kein gutes.
BITTERE ZAHLEN.
Über 10.000 Zuseher lockte der sportlich erfolgreiche Aufsteiger in der heurigen Saison im Schnitt ins Stadion – im Grunde genommen ein tolles Geschäft. Wäre hier nicht die im österreichischen Vergleich so mickrige Ertragslage beim Kioskgeschäft: Im Schnitt lukriert der FC Wacker pro Spiel 1750 Euro an Cateringeinnahmen aus Bier- und Brezelgeschäft – und kann damit nicht einmal die Hälfte seiner Reinigungskosten bezahlen. Eine Ertragslage, die im Bundesliga-Vergleich an unterster Stelle steht und natürlich auch der wirtschaftlichen Handlungspflicht der OW geschuldet ist. Denn nicht der FC Wacker darf sich den Caterer für seine Veranstaltungen aussuchen – nein, die OW verkauft jenes Recht in Eigenregie, den Vereinen wird der Geschäftspartner für den wichtigen Catering-Bereich vorgesetzt. Ergo erhält der FC Wacker sechs Prozent Umsatzerlös aus dem Kioskgeschäft – im Bundesligaschnitt wird mindestens doppelt so viel bzw. noch deutlich mehr von externen Caterern an die Veranstalter der Spiele überwiesen. Dass dem Wacker nur sechs Prozent bleiben, ist natürlich der Nutzung der OW- Infrastruktur zu verdanken – jeder Caterer darf neben dem FC Wacker auch der OW weitere sechs Prozent Umsatzbeteiligung überweisen. Eine Aufteilung in Veranstalter und Infrastrukturinhaber, welche auch nach dem Konkurs von Kitz-Catering und der Cateringübernahme durch die OW in Eigenregie weiterhin Bestand hat. Sprich, die OW darf nicht nur mit dem Ertrag des Cateringgeschäftes rechnen, sondern sich nebenbei auch noch die sechs Prozent für
den Infrastrukturinhaber überweisen. Für den Wacker bleiben bei Saison-Besucherrekord und bestem Bierwetter gerade ein- mal 4000 Euro und ein paar Cent – nicht einmal genug um die Stadionmiete zu begleichen.
FRISS ODER STIRB.
Damit der FC Wacker in diesem wirtschaftlichen Umfeld dann doch nicht wieder gleich pleitegeht, gibt es im Gegenzug ein nahezu undurchschaubares Geflecht an finanziellen Zuwendungen der öffentlichen Hand: Hier 270.000 Euro Infrastrukturförderung, dort 120.000 Euro für Platz- und Kabinenmieten im Amateur- und Nachwuchsbereich, hier schnell 300.000 Euro Sponsoring der OW, dort 100.000 Euro der Tirol-Werbung. Ein stetes Leben am finanziellen Gängelband der Politik, die weder den Landesunternehmen nutzt noch dem FC Wacker. Denn je- des Engagement von Landesunternehmen beim FC Wacker ist ein gezwungenes, somit für das jeweilige Unternehmen werbe- technisch nahezu wertloses und für den FC Wacker ein finanziell möglichst gering gehaltenes. Und jedes ein Schildbürgerstreich
in Zeitlupe. So wurde der Wacker bei der Suche nach neuen Einnahmequellen zur Abdeckung der 1,2 Millionen Altlasten aus den zwei Zweitligasaisonen bei der Politik vorstellig, um etwaige Vermarktungsmöglichkeiten des Tivoli-Stadions zu ergründen. Die Politik, die gern gesehene Retterin des Tiroler Fußballs, zeigte sich nicht abge- neigt und erteilte seiner OW die Weisung, dem Wacker das Vermarktungsrecht für die Süd- und Nord-Ost-Seite des Stadions zu geben. Mit einer Bedingung: Als Käufer dieser Werbefläche darf nur die Tirol Werbung in Betracht gezogen werden. Eine Konstellation, die somit nur eines bedeutet: Nicht die wirtschaftlichen Faktoren (Wie viel ist diese Werbefläche welchem Nutzer wert?) bestimmen die Verhandlungen und somit Einnahmen des Vereines. Nein, der Wacker braucht 1,2 Millionen – also zapft die Politik die nächste landeseigene Geld- quelle an und verschiebt über sechs Ecken jährlich 100.000 Euro auf zehn Jahre zum FC Wacker. Dieses Übelkeiterregende finanzielle Ringelspiel fährt die heimische Sportpolitik seit Jahren. Ob über kreative OW-Konstellationen, über verschlungene Förderungen für X und Y oder über die erzwungenen Engagements von Landesunternehmen am Tivoli. Denn ohne politische Hilfe geht der Verein ja wieder pleite...
Soll er doch. Oder er darf zum ersten Mal beweisen, dass auch in Innsbruck Profi-Fußball zu schaffen wäre. Das Potenzial ist vorhanden. So zeigt das immense und anhaltende Wachstum an Kleinsponsoren – also jenen Käufern von Werbe- oder Unterhaltungsleistungen ohne politischen Druck – auf mittlerweile 131 Sponsoren bis 50.000 Euro, dass der Wacker auch ohne Politik wirtschaften kann. Ergo deckt er bereits ein Siebtel seines Budgets durch echte Sponsoren. Ergo könnte ihm durchaus zugetraut werden, bei der Stadionvermarktung einen besseren Deal auszuhandeln. Ergo nur logisch, ihm das Kioskgeschäft zu überlassen. Ergo könnte er beweisen, auch landesnahe Unternehmen für den Fußball gewinnen zu können – nicht aufgrund einer Weisung seitens der Politik, sondern weil es für alle beteiligten eine sinnvolle Partnerschaft wäre. Eine wirtschaftlich erfolgreiche.

