b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta14.jpgAlso, naja, natürlich haben Sie eine Wahl. Sie haben die Wahl, zur Wahl zu gehen. Und dort haben sie dann die Wahl zwischen kurzen Beinen und langen Nasen, zwischen Bliamln und Pilzen, zwischen Blauäugigen und solchen, die ihnen das Blaue vom Himmel erzählen. Aber sie haben keine Wahl, also die, die einen. Die in Schwarz-Grün, die mit dem goldenen Stern über dem Wappen. Die haben keine Wahl. Gegen Wattens gibt es nämlich nur eines: Innsbruck muss gewinnen.

 

Schwarz vor Augen

Wenn man auf die bisherigen Duelle blickt, kann einem ja ganz schön schwummrig werden. Wissen Sie, wann Wacker das letzte Mal gegen Wattens einen Pflichtspielsieg vor eigenem Publikum erreicht hat? Es ist schon ein Weilchen her. Christian Kern war gerade mal drei klitzekleine Jahre alt und noch lange nicht Bundeskanzler, das war Josef Klaus in einer VP-Alleinregierung, als die Partei noch nicht türkis war, sondern schwarz, aber in grün plakatierte. Angelobt wurde der damals noch von Bundespräsident Adolf Schärf, der in Südmähren geboren ist, das damals noch zum Haus Österreich gehörte und von einem lieben Kaiser Franzl und seiner herzallerliebsten Sissi regiert wurde. Es war also nicht vorgestern, der letzte Heimsieg von Wacker gegen die WSG. Die WSG selbst war überhaupt erst zwei Jahre alt, hat sie ja zuvor SV Wattens geheißen. Apropos anders geheißen: am schwarzen Kontinent konnte man nach Obervolta fahren oder nach Dahomey, nach Rhodesien oder ins Französische Afar- und Issa-Territorium. Und die Pyramiden lagen zwar auch da schon am Nil, aber in der Vereinigten Arabischen Republik. So lang ist das schon her, dass Innsbruck das letzte Mal über drei Punkte jubeln durfte. Genau 17.679 Tage. Und mehr als 17.680 Tage sollten es auch nicht mehr werden. Da braucht man schon ein Gedächtnis wie ein Elefant, um sich daran noch erinnern zu können. Und der könnte dabei ganze 26mal schwanger sein und hätte immer noch ein paar Tage Zeit, um sich über die Länge der Durststrecke zu wundern. Oder, um die Torschützen des damaligen 4:1 auswendig zu lernen. Denn geläufig sind sie nur den wenigsten, nehm ich mal an. Erwin Hohenwarter, der Steirer, konnte jubeln, und dreimal der Klagenfurter Michael Vogel, vom KAC gekommen. Der Hermagorer Armin Assinger würde staunen, was sie jetzt alles wissen.

Rot vor Scham

Gestaunt hätte wohl auch der kleine Karli, wenn man ihm damals, im Mai 1969, gesagt hätte, sein Weg wird ihn mal weg bringen vom rot-weißen ASV Statzendorf hin ins rot-weiß-rote Nationalteam. Er hätte wohl gelacht, auch wenn er mit seinen 16 Jahren Schützenkönig der ersten Mannschaft wurde und bald nach Krems wechselte. Gelacht hätte wohl auch der kaum ältere Gerhard Stocker, wenn man ihm, dem HTL-Schüler, erklärt hätte, er würde mal Präsident sein, so wie der Direktor Erwin Steinlechner, der Grandseigneur des FCW. Der allerdings wäre wohl rot angelaufen und hätte nicht mehr gelacht, wenn man ihm erklärt hätte, dass sein Innsbruck bis 2017 nicht mehr am Tivoli gewinnen könnte gegen das kleine, große Wattens mit der Millionentruppe, die sich in den späten 60ern gerade entwickelte. Weil ein junger Spross der Kristall-Familie, der 25-jährige Gernot Langes, seine Liebe zum Fußball nicht nur strukturell und mit viel, viel Engagement, sondern auch monetär bewies und in der kleinen Gemeinde ein großes Wunder entstehen ließ. Ein Wunder, das gemeinsam mit Innsbruck zu vier Meistertiteln und vier Cupsiegen führen sollte. Und noch mehr mit der Lizenz in anderer Farbe. Aber damals, vor 12 Olympischen Winterspielen, damals dachte in der einmaligen Olympiastadt Innsbruck kein Mensch daran, dass man 2525 Freitage warten müsste, um vielleicht wieder einen Sieg der Schwarz-Grünen an der Sill erleben zu können. Es hätte wohl auch keiner gedacht, dass erst noch einmal ein Feuer unter den fünf Ringen entzündet werden und die Welt live aus Innsbruck berichten würde, bevor man einen lapidaren Sieg feiern könnte.

Grün hinter den Ohren

Der junge Karl, der junge Gerhard und der junge Gernot, damals allesamt noch grün hinter den Ohren, sie alle könnten sogar noch ein drittes Mal Olympische Spiele erleben. Und Wacker könnte dann immer noch einem Sieg hinterher laufen. Denn Wattens hat nur in einem einzigen der elf bisherigen Ligaduelle kein Tor gegen Innsbruck erzielt, aber neun in den letzten fünf. Wattens kann zurückkämpfen, selbst ein 0:4-Rückstand hält sie nicht davon ab. Und – nach der vergangenen Saison kaum zu glauben – Wattens kann auf die Erfahrung setzen. Die jungen Wilden aus der Kristallmetropole sind zu den Arrivierten geworden, der Traditionsverein aus Innsbruck zum Jungbrunnen mit dem Grün hinter den Ohren. Das Durchschnittsalter aller bisher eingesetzten Spieler liegt bei Schwarz-Grün im Mittelfeld, Wattens ist das zweitälteste Team. Innsbruck hat die jüngere Startelf, die WSG ist das drittälteste Team. Mehr noch, gegen Wiener Neustadt setzte man die älteste Startelf der Liga ein mit 26,8 Jahren im Schnitt. Und während Flo Mader mit seinen 35 Jahren und 15 Tagen nur von Thomas Gebauer überflügelt wird und der zweitälteste eingesetzte Spieler der Saison ist, hat Karl Daxbacher immer wieder aus vielen talentierten jungen Tirolern die Wahl. Mit Matthäus Taferner, beim 4:0-Kantersieg gegen Lustenau, nur 16 Jahren, 7 Monaten und 30 Tagen alt, kann Innsbruck mit Stolz auf den jüngsten Spieler der Liga verweisen. Jünger als die Jungbullen, die diese Statistik über Jahre dominierten. Die jungen, wilden Tiroler vom Tivoli. Und die jungen Wilden, sie kümmern sich auch nicht darum, was in den letzten 48 Jahren und 147 Tagen geschehen ist. Sie werden auf Sieg spielen, so, als wäre es das erste Duell und nichts davor passiert. Da haben sie keine Wahl, die Wattener.

Wackermarsch

Vor dem Spiel gibt es den Wackermarsch. Treffpunkt hierfür ist am Freitag um 17.30 Uhr bei der Annasäule in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße. Es wäre ein schönes und wichtiges Zeichen, wenn da viele mitmachen würden. Zeigt eure schwarz-grünen Herzen und wer in Tirol die Nummer eins ist. Das soll ganz Innsbruck und das ganze Land zu hören bekommen!

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Stefan Weis Stefan Weis

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