b_350_1200_16777215_00_images_201617_haxn_sta23.jpgFootball also. Der Sport mit dem amerikanischen Eierlaberl soll es sein, der die Zukunft von Wackers ehemaligem Torgarant bestimmt. Das zumindest vermeldet die Sportredaktion von Tirols meistgelesener Tageszeitung nach einem Gespräch mit Thomas Pichlmann. Mhm. Vielleicht gar keine so schlechte Idee, denn der Fußball, bei dem „Fuß“ nicht nur Namensbestandteil, sondern Hauptkörperteil des Spielgeräteberührens ist, der scheint am Tivoli aktuell nicht wirklich von Erfolg gekrönt. The Innsbruck Braves also, nicht mehr Wacker? Noch nicht, gegen Liefering sollte man sich unbedingt noch an die Regeln des International Football Association Boards halten…


 
Gary Anderson

Es gab ja schon einige Kicker, deren Vergangenheit im Fußball der europäischen Spielart lag. Zumindest im semiprofessionellen Bereich Europas. Manni Burgsmüller etwa, der für Uerdingen, Dortmund, Nürnberg oder Bremen aktiv war, um dann eine nicht ganz so runde Lederhaut bei Rhine Fire in Düsseldorf zu treten. Axel Kruse, der nach der Frankfurter Eintracht und dem Stuttgarter Vfb bei Berlin Thunder das Spielgerät malträtierte. Christian Kellner natürlich, der für Wattens kickte und für Wacker, um dann für die Raiders ein Comeback am Tivoli zu geben. Und keine Aufstellung ist abgeschlossen, bevor man nicht Toni Fritsch anführt. Ein Rapidler, dreimaliger Meister und zweimaliger Cupsieger, als Wembley-Toni Verantwortlich für den Untergang der englischen Nationalmannschaft 1965. Und dann Kicker in der NFL, ein seltenes Exemplar in den heiligen Gefilden der amerikanischen Spitzenliga, der auch die Ehre hatte, durch seine Punkte die Dallas Cowboys zum Gewinn der Super Bowl zu führen. Es geht also. Allerdings sind die Kicker von Wacker nicht gerade am besten Weg, Balltreter im Übersee-Pendant zu unserem geliebten Sport zu werden. Dazu braucht man Nervenstärke. Man könnte jetzt sagen, wer 16mal in Rückstand gerät und dennoch 14 Punkte holt (drittbester Wert), der kann nicht ganz schlecht sein. Nur, niemand anderes in der gesamten Liga ist bislang 16mal in Rückstand geraten. Wer vor eigenem Publikum dem Druck standhält und nur elf Tore kassiert (drittbester Wert), der kann nicht ganz schlecht sein. Nur, man hat auch nur dreizehn erzielt, nur Blau-Weiß weniger. Von den Tiroler Derbys wollen wir jetzt gar nicht anfangen. Die Innsbrucker sind sowas wie Gary Anderson. Eine Legende, eigentlich. Gary verwandelte 1998 für die Minnesota Vikings alle 35 Field-Goal-Versuche und alle 59 Extra-Punkte, 100% Genauigkeit, Perfect Season. Naja, in der Regular Season. Denn als es um die Wurst ging, um die eigentliche Entscheidung, im Play-Off gegen die Atlanta Falcons, da zog er das erste mal vorbei, zwei Minuten und sieben Sekunden vor dem Ende bei einer 7-Punkte-Führung. Die Falcons glichen aus, gewannen, die Vikings waren das erste Team, das 15 Spiele gewonnen hatte und dennoch keinen Super-Bowl-Ring überstreifen durfte. Verdammt. Diese Nervenstärke zeigt auch Wacker derzeit – auch, wenn man sich fünfzehn Siege nur erträumen kann…
 
Statistics

Die Amerikaner lieben sie ja, die Statistiken in ihrem Sport. Für alles gibt es eine Zahl, alles wird vermessen, alles wird berechnet. Etwa, wie gut ein Quarterback ist im Passer Rating. Laut Brian Billick, ehemaliger Trainer der Baltimore Ravens „das nutzloseste Ding im Sport“. Da hat er wohl noch nicht unsere Vorberichte gelesen – obwohl, das Quarterback-Rating hat schon was Absurdes an sich. Man zieht von der Quote der vollständigen Pässe 30 ab und multipliziert das mit 0,05. Man nimmt den durchschnittlichen Raumgewinn pro Pass, zieht davon drei ab, und multipliziert das Ergebnis mit 0,25. Man nimmt die Quote Touchdown-Pässe pro Pass und multipliziert das mit 0,2. Man nimmt die Interceptions pro Pass, multipliziert das mit 0,25 und zieht davon 2,375 ab. Ist eines dieser Ergebnisse niedriger als 0 oder höher als 2,375, wird es dem Grenzwert angepasst. Und dann zählt man die vier Zahlen zusammen, teilt das durch sechs und multipliziert es mit 100. Wenn man dann bewiesen hat, dass man die Grundrechenarten beherrscht, hat man eine Zahl zwischen 0 und 158,3. Und einen absoluten Loser oder den perfekten Quarterback. Zumindest in der Theorie, denn Brett Favre von den Packers war etwa deutlich schlechter als Matt Schaub von den Texans. Ein perfektes Rating gelang Favre niemals in seiner ganzen Karriere. Er gewann allerdings die Super Bowl, wurde 11mal in die Pro Bowl berufen, war dreimal in Folge MVP und wurde in die Hall of Fame aufgenommen. Matt Schaub? Tja, der kann von so einer Karriere bislang nur träumen... Warum ich das alles aufzähle? Weil Statistiken total spannend sind. Und oft total sinnlos. Für Wacker würde das etwa heißen: Innsbrucks Balltreter wären wohl nicht gut aufgehoben in den Special Teams. Von den 26 durch Schwarz-Grüne erzielten Tore wurden 23 in der Red Zone, also aus dem Strafraum heraus, ausgeführt, nur drei Treffer (je einer Eler, Kerschbaum, Freitag) waren Weitschüsse. Da würde es wohl schlecht ausschauen mit Fieldgoals. Nicht so bei Liefering, 13mal scorte man von außerhalb des Vierecks, Spitzenwert der Liga. Das einzige Tor, dass die Salzburger in dieser Saison bislang im Tivoli schafften, war ein Distanzschuss von Mergim Berisha. Es war damals der sechste Weitschuss in der Saison, in der fünften Runde – zu diesem Zeitpunkt wurden ein Drittel der Jungbullen-Tore von weit, weit weg erledigt. Aber die Juniors von damals sind nicht mehr die von heute. Sagt die Statistik.
 
It’s about draft strategy

13 Runden lang hatten die Lieferinger zu Beginn der Saison nicht verloren und die Liga nach Belieben dominiert, lagen sechs Punkte vor Lustenau und sieben vor dem LASK. Dann kam Wacker. Und die Unschlagbaren verloren. Und dann nochmal, gegen die KSV. Und nochmal, gegen Lustenau. Und dann drei Remis. Sechs Spiele in Folge ohne Sieg, nur zwei – gegen Wr. Neustadt und den FAC – in den letzten neun Runden. Nur vier Tore in den letzten sechs Runden. War der Faden gerissen? Wollte man dem peinlichen Umstand entgehen, als Meister nicht aufzusteigen? Vielleicht hat es auch etwas mit einer kleinen Nebenbeschäftigung zu tun, die Liefering derzeit unterhält. Die Salzburger sind ja kein normales Team in Österreichs zweithöchster Spielklasse, sie sind das Farmteam der großen Bullen, ein Sammelbecken der RB-Akademien. Denn der Getränkekonzern castet und draftet weltweit Jugendliche mit Talent, gibt ihnen – das ist unwidersprochen – beinahe perfekte Trainingsbedingungen und schafft so für seine Teams in Salzburg und in weiterer Folge in Leipzig ein Reservoir, in welchem man nach Belieben fischen kann. Liefering ist deshalb noch mehr, sie sind auch quasi die U19 für den FC Salzburg, wenn es um die UEFA-Youth-League geht. Ein bisschen multiple Persönlichkeit also, glaubt man ja auch, 1947 gegründet worden zu sein. Ingolitsch (14 Spiele für Liefering in dieser Saison), Meisl (4), De Paulo (17), Mensah (11), Heidara (18), Gorzel (12), Filip (13), Wolf (20), Berisha (21), sie alle standen beim 2:1 gegen Atletico Madrid am Platz, sie alle stürmten ins Halbfinale. Neun Nationen finden sich in Lieferings Kader, ein buntes Sammelsurium eines international tätigen Scoutings. Seit Winter auch mit schwarz-grüner Beteiligung, Rami Tekir verstärkt das Salzburger Mittelfeld und kam auch bereits 90 Minuten zum Einsatz. Für ihn ein wohl ein Meilenstein in seiner sportlichen Weiterentwicklung, für Innsbruck ein möglicher Stolperstein in der Frühjahrssaison. Denn noch nie ist man in der zweithöchsten Spielstufe mit drei Niederlagen in ein Jahr gestartet. Derzeit scheint aber alles möglich zu sein.
 
Touchdown

Innsbrucks Kicker spekulieren zwar mit den Special Teams, spielentscheidend sind aber meist die Touchdowns. Ach, hier gäbe es so schöne wackere Assoziationen. Ein Touchdown ist ja abseits des Sports der Moment des Aufsetzens eines fliegenden Objektes – tja, freier Fall, harte Landung… Im Rugby meint der Begriff Touchdown das „Totmachen“ des Balls – da gibt es derzeit einige Meister am Tivoli… Aber, wer weiß, vielleicht belehren uns die Buben in Schwarz-Grün eines Besseren und schaffen die ersten Punkte unter Karl Daxbacher, und es heißt bald wieder: black and green is back! Oder weg…

 

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Stefan Weis Stefan Weis

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